Tick Tack.

Asynchron. So fühle ich mich. Verstand, Gefühl und Angst-Ich ticken einfach nicht im Gleichklang.

Klar… Verstand und Gefühle sind sich selten einig, das kennt wohl jeder… und da versuche ich mich auch selten gegen zu wehren, weil das ist nun mal so. Wenn der Verstand weiß, dass man etwas lassen sollte und das Gefühl schreit „Ich will aber“… ja dann ist es halt Murks. Und wenn man dann so wie ich meistens auf den Bauch hört, geht es auch irgendwie schief… aber jetzt gerade ist Faktor 3 einfach lästig.

Verstand und Gefühl sind sich einig. Einfach zu gucken. Zu machen. Zu warten. Weil es reicht. Und gut so ist. Aber dieses Angst-Ich will Klarheit. Will Antworten. Und ist einfach so penetrant und macht alles so anstrengend. Und vllt. tickt es irgendwann durch und explodiert und dann ist da nur Schutt und Asche. Und Schutt und Asche wollen weder Verstand noch Gefühl. Die wollen einfach nutzen was da ist. 

Einatmen. Ausatmen.

Erzählen, dass es mir besser geht wollte ich. Darüber schreiben, dass ich seit dem Blogbeitrag letzte Woche meinen Arsch hoch bekommen habe und dann doch noch so einiges hier geschafft habe. Darüber reden, dass ich kurzzeitig mein Exil aufgegeben habe und einen durchaus netten Abend gehabt habe. Ich wollte positive Dinge schreiben. Vorhin noch. So „Alles wird schon irgendwie“ Dinge… und „Hey… nach dem Schreiben geht es immer aufwärts. Alles fein.“ Dinge… 

Und dann habe ich ein Tagebuch im Forum aufgerufen von jemandem den ich sehr, sehr schätze…. Und jetzt sitze ich hier und heule Rotz und Wasser… weil sie mit so ziemlich allem was sie einfach nur so in den Raum sagt tief in meinem Herzen rumrührt und Dinge zu Tage fördert die halt immer direkt Lawinen auslösen. Immer. Unabhängig davon, ob ich jetzt gerade ne depressive Grundstimmung habe, oder ob es mir ganz gut geht. Sie trifft einfach immer tief. 

Und genau deshalb hab ich es die letzten Wochen oft vermieden da rein zu schauen. Weil ich wusste, dass ich es nicht verarbeitet bekomme. Oder dass ich nicht den Kopf habe um es in dem Ausmaß zu würdigen, in dem es das verdient hätte… aber heute habe ich gelesen… und es ging um so vieles… Um den Mut sich zu trauen das zu tun, was man eigentlich möchte … das Vertrauen darin, dass es irgendwie schon gut werden wird… darum sein Leben zu nutzen… und irgendwann stand da auch ein Satz über junge Menschen und Krebs… und ich war gedanklich sofort bei der Chaoskatze… bei der ich manchmal schlicht vergesse, dass sie ja gar nicht mehr da ist. Und erst Recht nicht begreife, dass es schon 1,5 Jahre her ist… Und diese Erkenntnis, dass ihr Tod mich so viel mehr kratzt als jeder einzelne Todesfall in meiner Familie in den letzten Jahren. Dass da dieser Mensch so weit weg war… den man nur ein paar Mal gesehen hat… der einen so viel tiefer berührt als die eigene Verwandschaft. Die Erkenntnis, dass sie auch jetzt noch für all die Dinge steht, die ich einfach nicht so hin bekomme… und dass da immer ein wenig Neid mitschwang, weil sie einfach gemacht hat. Und weil sie – zumindest nie sichtbar – gehadert hat mit dem was passiert… Sie hat das getan was sie wollte. Egal für wie verrückt man sie gehalten hat. Sie hat es einfach getan. Und so oft nehme ich mir vor das auch einfach zu tun… einfach zu machen. Und tue es dann doch nicht. Und sehe wie die Zeit so verrinnt. Kätzchen, ich hab dich so bewundert. Immer. Und irgendwann… da werde ich mich auch einfach trauen. Versprochen.

Einfach schwimmen…

Mein Schlafrhythmus ist verdreht. Und das erste Mal im Leben fühlt es sich nicht gut an. Weil sich gar nichts gut anfühlt. Es ist bald 17 Uhr. Ich bin noch keine 3 Stunden wach und alles was ich fühle ist „Zu spät … zu spät… zu wenig Zeit … zu wenig Zeit…“

Es ist schon Dienstag. Von meinem geplanten „Urlaub“ oder „Menschen fasten“ ist „nur“ noch eine Woche übrig und ich fühle mich so gehetzt. Von allem. Von jedem. Vom Leben. Einfach nur gehetzt. 

Seit Wochen ziehe ich mich zurück… und bin einfach nur genervt. Angeschlagen und genervt. Egal wer was wie sagt. Es bedrängt mich. Verunsichert mich. Nichts macht wirklich Spaß. Zumindest stimmt das Verhältnis nicht. Möglicherweise macht es Spaß, aber es rechtfertigt nicht die Energie, die ich aufwenden muss um es zu erleben.

Überhaupt ist da das Problem. Energie. Ich fühle mich so ausgezehrt und ausgesaugt. Nicht wirklich depressiv, aber einfach überanstrengt. Wobei ich schon länger den Verdacht habe, dass sich meine Depression einfach gewandelt hat … und das jetzt die neue Version ist. Einfach alles zu viel finden. Leerer als früher. Abgestumpfter. 

Ich werde umziehen müssen. Da führt kein Weg mehr dran vorbei und in meinem Kopf rotiert es. Und es macht mir Angst. Es ist zu groß für mich. Und dann sind da diese Freunde, die ihre Hilfe versprechen, aber es ist einfach so anstrengend. So anstrengend drüber zu reden. So anstrengend dran zu denken. Ich mag nicht dran denken. Ich mag eigentlich an gar nichts denken.

Ich würde gerne einfach nur sein. Und funktionieren. Ohne Pläne machen zu müssen. Ohne mit irgendwas jonglieren zu müssen. In meinen Kalender schauen ohne dass mir schlecht wird. Weil da Dinge drin stehen mit denen ich mich nicht beschäftigen möchte. 

Wenn ich mich 2 Wochen nicht mit Terminen auseinander setzen muss – so dachte ich – würde ich ruhiger werden. Wieder zu mir finden. Aber es wird einfach nur konfuser und anstrengender. Ich vergesse zunehmend Termine. Ich vergesse und verdränge Ausgaben. Und plötzlich ist der 11. und ich bin so pleite wie nie zu vor. Habe nichts mehr auf dem Sparkonto. Nicht mal mehr auf dem Paypal-Konto. Ich bin so pleite, dass ich von nun an wirklich beim Einkauf mit dem Taschenrechner rumlaufen sollte. Und beten sollte, dass die Physio damit einverstanden ist erst im Mai abzurechnen. Und ich kann dafür nicht mal ne unvorhergesehene Ausgabe verantwortlich machen. Die gab es nicht. Ich hab es einfach nur verpeilt.

Und dann sind da diese Ausgaben die mit dem Umzug kommen werden. Und für die es keine Rücklagen gibt. Irgendwann in den letzten Monaten ist da was schief gegangen. Und ich weiß noch nicht so ganz genau wann und warum. Und wie.

 

Mein sicherer Hafen ist plötzlich nicht mehr stabil und fest. Er schwankt. Ich kann mich nicht mehr unerschütterlich drauf verlassen. Ich muss überlegen was ich wo sage. Wie ich wo bin. Und ich kann mich nicht drüber freuen, dass ich nicht den einfachen Weg gegangen bin. Weil ich es auch gar nicht gekonnt hätte.

Ich fühle mich allein. Teilweise, weil ich es bin. Weil da was kaputt gegangen ist. Teilweise, weil ich nicht reden mag. Weil ich es so anstrengend finde mit irgendwem über meine Befindlichkeiten zu reden. Weil ich genervt bin, wenn jemand fragt wie es mir geht. Weil ich das Gefühl habe jeden einzelnen meiner Sätze mehrfach erklären zu müssen. Weil ich glaube einfach nicht so sein zu können wie ich bin. Und weil ich nichts gutes erzählen kann. Ich mag nicht nur jammern, aber mir fällt so wenig anderes ein. Mir fällt nichts ein was einfach nur gut ist. Es ist nichts einfach nur gut. Alles ist anstrengend. Oder schmerzhaft. 

Ich kann nicht einfach gut schlafen, weil mein Kassettendeck nicht mehr funktioniert wie früher. Ich mag meine Wohnung nicht mehr, weil ich überall nach Schimmel Ausschau halte. Ich kann keinen Sport machen, weil mein Knie auch nach – ich weiß nicht wie vielen Wochen – nicht wirklich besser wird. Ich kann mich auf so vieles nicht freuen, weil es mit Geld verbunden ist oder mit Menschen die ich nicht sehen möchte.

Nichts läuft. Aber ich hab auch keine Kraft, Lust und Energie mit irgendwem darüber zu reden.

Wenn…

… es mir schlecht geht, dann bist immer noch du derjenige an den ich denke. 

Und es sind deine Lieder die ich mir dann anhöre. Und dann geht es mir meistens noch schlechter und wenn ich bis dahin nicht schon geheult habe, dann fange ich es spätestens dann an. 

Weil es mich immer tief trifft. Egal ob wir miteinander reden oder nicht. Ob wir das viel tun oder wenig. Es ist immer derselbe Ablauf. Und es war immer völlig egal weshalb es mir nicht so gut geht.

Das hat in den meisten Fällen nicht mal was mit dir zu tun. Manchmal – so wie jetzt – bin ich auch einfach nur unfassbar wütend. Klicke mich durch bestimmte Lieder bei Youtube. Alleiner – Jupiter Jones. Ich brauche keinen – Massendefekt. Singe, Seufze, Saufe – Broilers. Immer dieselben. Irgendwann, weil ich ja eh dabei bin lande ich wieder bei dir. Und dann heule ich halt. Diesmal eben vor Wut. Und auch die hat gar nicht mal so viel mit dir zu tun. Jetzt gerade. Obwohl ich sicher Gründe finden würde auf dich sauer zu sein. Oder aufs Universum. Aufs Universum geht immer gut. Dann bin ich sauer. Höre dich. Und dann bin ich traurig. Und eigentlich ist es schade, dass mich das immer traurig macht. Und dass es nicht einfach schön ist. Aber so ist das nun mal. Es macht mich traurig. Und es wird vermutlich immer so bleiben.

Einmal. Ja einmal… da dachte ich, dass es mich nicht mehr traurig macht, wenn ich dich einfach lang genug ignoriere. Wenn ich so tue als wärst du nicht da gewesen. Wenn ich sehr, sehr sauer (zu Recht!) auf dich bin und mich da noch ein klein wenig mehr reinsteigere. Aber soll ich dir was sagen? Das hat gar keinen Unterschied gemacht. Überhaupt keinen. Egal wie lange es gedauert hat. Es hat keinen Unterschied gemacht. Du warst genauso präsent wie vorher. 

Manchmal. Da wünsche ich mir, dass du es nicht bist. Nicht derjenige bei dem ich gedanklich irgendwann immer lande. Nicht derjenige dem ich vieles gerne sofort erzählen würde. Aber man kann so viel Zeit halt nicht auslöschen. Also wirst du vermutlich immer genau da in mir bleiben wo du jetzt bist. Und die Liste der Lieder, die ich mit dir verbinde werden immer länger. Keins davon habe ich oben aufgezählt. Keins davon macht mich wütend. Alle machen mich traurig.

Ab und zu… da frage ich mich, ob es an dir liegt. Ob wirklich du der Dreh- und Angelpunkt bist. Oder ob du einfach stellvertretend für all das Chaos stehst. Stellvertretend für all die verpassten Chancen. Und ich weiß es nicht. 

Aber auf jeden Fall machst du den Soundtrack.

 

 

 

(Und nein verehrte Leser… mir ging es nicht die ganze Zeit schlecht. Mir ging es sogar die meiste Zeit ganz okay… aber da hatte ich keine Zeit zu schreiben und jetzt erweckt das ein wenig den Eindruck als ginge es mir nur mies… Hmpf.)