…. vor meinen Nachbarn. Briefkasten war ja schon ausverkauft

Seit dem Anruf der Hausverwaltung gestern müsste ich eigentlich vor die Tür. Nichts weltbewegendes. Ein Flur halt. Sprachlos hat mich glaub ich gestern einfach mein unsagbares Pech gemacht, dass die Frau immer dann hier im Haus rumrennt, wenn ich Flurmonat habe… Dass ich den diesmal ja sogar gemacht habe und trotzdem jemand Samstag aufgeräumt hat, obwohl ich das noch Sonntag getan hätte, steht auf einem anderen Blatt. Auch, dass ich diesen Flur selten sauber übergeben bekomme und „ich doch an die anderen Mieter denken müsste, die sich beschweren, wenn sie „meinen“ Dreck auch noch mitmachen müssen“… Ja, genau. Abgesehen von ihr sieht das hier keiner so eng… aber gut. Das ist ja gar nicht das Thema…

Sie war hier, weil sie der neuen Nachbarin die Schlüssel gegeben und die alte verabschiedet hat. Kommt vor. War abzusehen. Die Wohnung muss ja nicht jedes Mal ein Jahr leer stehen.

Nur habe ich seitdem bei jedem Ton den ich von mir gebe, das Gefühl, dass er zu laut ist. Und ich höre wirklich nicht laut Musik oder schaue sonderlich laut TV. Aber ich habe nun mal immer Angst negativ aufzufallen. Und dann liege ich im Bett, versuche das Kreiseln im Hirn zu überhören und höre draußen Stimmen. Mehrere. Und ich fange an mir einzubilden, dass sie über den dreckigen Flur reden. Und ich bekomme noch mehr Angst vor die Tür zu gehen. Ich könnte wem begegnen. Und jemandem begegnen ist beim Flurprojekt halt einfach… nein. Geht nicht.

Und dann bliebe da noch die Kapuzenpulli und Ohrstöpsel Möglichkeit. Einfach abschotten. So TUN als wäre da niemand. Aber ich möchte doch eigentlich einen guten Kontakt zu meiner neuen Nachbarin. Immerhin scheint sie die Tür leiser zu schließen und zu öffnen. Und einen ersten Eindruck mit Depressionsmiene? Verdammter Mist. Nicht das was ich mir vorgestellt habe. Der kontaktfreudige Teil in mir würde ihr am liebsten Brot und Salz vor die Tür stellen oder direkt in die Hand drücken. Aber mal davon ab, dass ich mir Brot grad selbst kaum leisten kann, wäre das einfach nun ja… sprachlos eher mies. Ich kann dieses erste Gespräch heute nicht gescheit führen. Also gehe ich nicht vor die Tür. Denn draußen laufen ständig Menschen rum. Und bei jedem Geräusch zucke ich zusammen. Und die Geräusche sind mit der knallenden Tür gar nicht zu vergleichen… Nein… es ist mehr ein ahnen… und trotzdem verfestigt jede Ahnung das Gefühl nicht raus zu wollen… Und wer sagt mir eigentlich, dass es eine Nachbarin ist… immerhin habe ich ja auch Männerstimmen gehört… Ach ja… glaub die Hausverwaltung. Gestern am Telefon. 

Also sitze ich hier… entwickel Zeitpläne wann ich denn wie am besten vor die Tür gehe… ich müsste da sogar mehrfach raus… Wäsche und Einkauf… ohne jemandem zu begegnen… und bin traurig, dass der kontaktfreudige Teil in mir irgendwie… verschwunden ist. Vergraben hinter ziemlich viel grau. 

Dummerweise ist die Angst vor einem weiteren Telefonat größer… somit werde ich irgendwann gleich vor die Tür gehen müssen… danach kann ich mich ja wieder verstecken.. oder so.

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