Wenn ich jetzt daran denke, dass D. in 1 Stunde hier auftaucht, dann löst das eine ganze Menge Prozesse in mir aus. Zum einen als allererstes mal der gute alte Fluchtreflex. Ich würde gerne absagen. Spiele das gedanklich auch seit gestern Mittag durch. Lege mir Begründungen zurecht mit denen ich ihr absagen kann und stelle dann nüchtern fest, dass es Ausreden sind und dass sie das auch so erkennen wird. Spätestens beim Kontrollanruf ob wirklich alles okay ist, würde das Lügengerüst zusammenkrachen und sie würde zwar sagen, dass es meine Entscheidung ist, aber dass es nicht Sinn der Sache ist. Ist es ja auch nicht.

Also sage ich nicht ab, sondern warte. Warte und fühle mich dabei unsagbar schlecht. Denn ich habe die Hausaufgaben nicht gemacht. Und das schüttelt mich an meiner Disziplinlosigkeit, die mir immer mehr bewusst wird. Ja… ich bin disziplinlos. Verdammt disziplinlos. Aber immerhin werde ich die Konsequenzen davon tragen müssen und mir gleich ihre Standpauke anhören. Davor wegrennen geht nicht.

Wie weit ich jetzt ohne diese Disziplinlosigkeit bereits wäre, mag ich gar nicht näher beleuchten. Auch wenn es der Hinterkopf selbstständig tut. Ich wäre vermutlich eine ganze Ecke weiter und mir käme die Therapie nicht so nutzlos vor. Als wäre sie verschwendete Zeit gewesen. Vermutlich hätte mir die Disziplin auch dazu verholfen, dass nicht meine gesamte Schlafzimmerwand ein einziges Schimmelkunstwerk ist. Letzteres habe ich gestern bemerkt und meine Laune steigt seitdem stetig. 😉 Und wo wir jetzt gerade doch dabei sind dem Hinterkopf so viel Raum zu geben: Vermutlich würde mir mehr Disziplin auch dabei helfen schädliche Beziehungen gar nicht erst zu führen oder sie zumindest in gesündere Beziehungen umzuwandeln. Würde. Vielleicht. Eventuell.

Gerade was diese Beziehungsgeschichten angeht steht mir da meistens im Weg, dass ich es nicht einsehe schöne Momente wegzudiskutieren oder zu versäumen. Schätzungsweise würde ich für schöne Augenblicke in diesem Ausmaß auch riskieren elendig zu verrecken. Und abgesehen von dem ganzen Ärger drum herum der auf fehlerhafte Kommunikation und kaputtem Ego beruht ist ja eigentlich alles wirklich schön. Echt jetzt. An der Kommunikation wird massiv gearbeitet – beiderseits – das Ego bleibt leider meine Sorge. Es läuft. Nicht perfekt, aber es ist machbar. Und ich habe schon schlimmeres überlebt denke ich. Immerhin hat er nicht vor auszuwandern und/oder mich zu verlassen. Gesünder wäre vermutlich dennoch anderes. Die Konsequenz wäre: Weniger Sex, weniger Augen leuchten, weniger Begeisterung für diesen Menschen aufbringen können, weniger Staunen… verdammt viel weniger… aber auch weniger Tränen. Wobei ich dann vielleicht nicht mehr mein gegensätzlich tickendes Innenleben beweinen würde, sondern die Tatsache, dass ich weniger Sex habe. Zweischneidige Sache, ne? Wären wir wieder dabei, dass ich für so Augenblicke einfach alles geben würde… 

Wie disziplinlos ich bin zeigt sich übrigens auch schon bei der Erziehung meiner Katzen. Fällt mir gerade nur wieder auf, weil Nell mir konsequent in die Tastatur springt und damit riskiert ein Freigänger aus dem 3. Stock zu werden. Wäre ich disziplinierter an deren Erziehung heran gegangen – oder überhaupt – stünden wir nicht ständig vor der Situation, dass ich sie gerne zu Hackfleisch verarbeiten würde. Bin ich aber nicht, also muss ich mit den Konsequenzen leben. Sie springt mir ständig vor die Nase, ich habe ständig und überall Katzenhaare im Gesicht hängen und sie vermittelt ihre Bedürfnisse mehr als dreist. Putze ich das Klo nicht, ist die Konsequenz dass sie mir den Wäschekorb vollpinkelt. Sie hat es raus den maximalen Ärger zu erzeugen. Und da ich den Korb habe stehen lassen und das Klo nicht gemacht habe, bin ich selbst Schuld und darf nicht böse sein. Scheiß Konsequenz.

So wie der Schimmel wohl auch einfach eine Konsequenz von miesem Lüften ist.  Ich glaube keine Konsequenz ist mir gerade deutlicher vor Augen als diese. Na gut… die Katze ist lauter als der Schimmel. Aber wie soll ich mir gleichzeitig die Decke über den Kopf ziehen und die Fenster aufreißen. Depressionen und Lüften schließlich sich irgendwie ein wenig aus. Ist das jetzt eine Entschuldigung, oder eine Ausrede? Ehrlich gesagt. Keine Ahnung. Nüchtern betrachtet habe ich mich ja auch in eben diese Depression selbst verfrachtet.

Die Konsequenz von meiner bewussten Entscheidung gegen die Medikamente ist nun mal, dass meine Emotionen extrem Achterbahn fahren und dank meiner Disziplinlosigkeit arbeite ich da natürlich auch nicht mit möglichen Mitteln gegen an. Es gäbe viele Dinge die es mir wohl erleichtern würden, dass ich clean bin. Die der Biochemie in meinem Kopf etwas entgegensetzen könnten. Aber ich mache sie nicht. Konsequenz: Mir geht es beschissen.

Und so langsam aber sicher muss ich wohl einsehen, dass ich mal wieder versuche falsch herum anzusetzen. Offensichtlich bin ich so nicht in der Lage mein Hirn auf Trab zu halten… und sollte erst mal wieder Pillen werfen um Disziplin zu lernen…

Und ganz eigentlich sollte dieser Artikel auf etwas völlig anderes hinauslaufen. ^^

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