Bevor noch mehr Zeit vergeht und ich mich einfach nicht mehr erinnere… versuche ich doch mal die Gedanken und Gefühle der letzten Tage irgendwie… festzuhalten. Falls ich sie noch finde… Vermutlich in mehreren Teilen, weil mir für die Vollständigkeit die Zeit fehlt.

Passenderweise setzen wir Donnerstag bei der Betreuung an. Ich war ja die ganze Zeit kurz davor ihr abzusagen… mein Kompromiss mit mir war dann, dass ich ihr kurz zwei Dinge zeige und wir dann raus gehen. Das haben wir auch getan und der Spaziergang tat wirklich gut. Jetzt so im nachhinein betrachtet haben wir viel Zeit mit dem Gespräch über eine andere Person verschwendet verbracht und sind auch zu einem Schluss gekommen. Ob das zeitlich noch klappen wird weiß ich nicht. Es geht auch gar nicht mehr wirklich darum jemanden zu retten, sondern eher mein Gewissen zu erleichtern. Da ich aber nun mal langsam bin in den Dingen die ich tue… weiß ich wie gesagt nicht ob das noch funktioniert. Heute lässt mich das überraschend kalt. Nun ja… 

Zu Ein wenig Zeit verbrachten wir auch damit über mich zu sprechen. Hängen geblieben ist in jedem Fall, dass sie meinte, dass ich sehr gefasst wirke. Man würde mir zwar ansehen, dass es mir nicht gut geht, aber ich würde damit ganz anders umgehen als noch vor 1,5 Jahren. Und ja, das fühlt sich auch so an. Klar, mir geht es nicht gut – wie genau, dazu gleich – aber es haut mich einfach nicht so völlig aus den Latschen. Es wird weiter gehen. Es wird schon irgendwie laufen. Ich werde es irgendwie bewerkstelligen. Es ist selbst auch greifbarer und fassbarer.

Ich schätze ich bin auch in diesem Moment wieder zu dem Punkt gekommen die Medikation wieder ins Auge zu fassen. Das wollte ich am Freitag auch in die Wege leiten, aber letztendlich gibt es jetzt tatsächlich gerade einfach keinen Neurologen. Meine alte ist weggezogen, in der Praxis ist noch kein Nachfolger angekommen. Ist es mir jetzt wichtig genug das unbedingt vor der Tagesklinik noch regeln zu müssen? Da bin ich mir jetzt nicht sicher. Vielleicht merke ich die nächsten 3 Monate ja auch, dass es ohne geht? Das fände ich nach wie vor schöner. Jedoch bin ich durchaus bereit meinen „Fehler“ einzugestehen und es wieder mit Medikamenten zu versuchen. Wenn es nicht anders geht. Als letzten Weg.

Was mir dabei zu denken gibt: Ich bin nicht traurig-depressiv … mehr müde-depressiv. Mehr körperlich als psychisch. Was in meinen Augen eher auf ein Bio-Chemie-Problem hindeutet als auf ein emotionales. Klar, dass sich das bedingt ist mir bewusst… aber ich schätze der Ansatzpunkt wäre in dem Fall vllt. eher die körperliche Angelegenheit. Vllt. ist auch mein Schilddrüsenwert zu mies. Das sollte ich bald mal prüfen lassen.

Ein weiteres Problem, dass mir ohne Medikamente deutlich wird… ich habe eine bipolare Neigung. Eindeutig. Das wurde vorher nie so thematisiert, aber die euphorischen Höhen und die wirklich tiefen Tiefen sind schon krass. Ich mag die Höhen… in den Höhen fühle ich mich wirklich frei. Angekommen. So wie ich gerne sein würde. Die Tiefen gehen verdammt runter. Und auch wenn ich weiß, dass sie wieder vorbeigehen werden, habe ich dennoch das ein oder andere Mal mit Beruhigungsmittel eingegriffen um es angenehmer zu machen.

Die Höhen genieße ich. Ich verbringe weniger Zeit zu Hause. Bin unterwegs, mal betrunken im Park, mal einfach bei Ikea zum Frühstück. Cachen, im Nord. Mit Freude bei Dingen die ich sonst nicht tue. 

Im Gegensatz dazu breche ich aber auch am Bahnhof wartend heulend zusammen und frage mich, warum ich mir das mit ihm in der Art und weise antue. Wie viel ich da riskieren darf um auch mit ihm Höhen zu haben…. aber das ist ein anderer Artikel.

Jetzt fehlt mir wie schon vermutet die Zeit… denn ich bin gleich wieder unterwegs. 😉

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