Und ich ringe um Worte. Immer wenn ich jemand Außenstehendem erklären möchte was in mir falsch tickt. Wie sich das äußert, wieso das so ist und dass das nichts mit dem Ich tief in mir drinnen zu tun hat. Dass es völlig unabhängig vom „wollen“ steht. Das es einfach nicht geht. 

Aber wie erklärt man, dass telefonieren nicht funktioniert, wenn man sich das selbst kaum erklären kann? Mit der ein oder anderen Freundin geht es ja schließlich auch. Aber meistens eben nicht. Weil da eine hirnrissige Hemmschwelle ist. Weil man seine Nummer auf Grund mieser Vorerfahrungen nicht einfach heraus geben möchte und man selbst aber im Gegenzug nicht wählen kann. Weil es einem alles zuschnürt während mal wählt und dann wartet. Weil man am liebsten auflegen möchte bevor jemand dran geht. Warum? Keine Ahnung. Passieren kann ja eigentlich nichts, oder? Im schlimmsten Fall schweigt man sich an und telefoniert nie wieder. Es ist jetzt ja auch nicht so als hätte ich das noch nie getan. Telefoniert. Doch. Stundenlang. Auch mit „Fremden“. Aber eben in anderen Phasen. In anderen Lebensphasen. Seit gut einem halben Jahr fällt mir auf, dass es nicht mehr geht. Dass sich in mir alles sperrt und dass ich damit Menschen vor den Kopf stoße. Dass sie es nicht verstehen. Nicht verstehen können. Ist es doch so unglaublich irrational. Aber es geht nicht. Selbst mit vielen Freunden, die ich seit Jahren kenne geht es nicht. Ging es nie. Und da wo ich mich letztens mehrfach überwunden habe… da gab es mehrfach einen in die Fresse… Ich habe mich bei so vielen Dingen überwunden… und bin massiv enttäuscht worden. Nicht gerade hilfreich um Ängste abzubauen. 

Wie erklärt man, dass Treffen gerade unmöglich ist? Dass man tief im Inneren gerne morgens um 1 Uhr spontan spazieren gehen würde. Dass man das auch schon mal um halb vier getan hat. Dass man eigentlich ein sehr spontaner Mensch ist. Es aber im Moment nicht möglich ist. Weil man den ersten Blick der anderen Person nicht ertragen würde. Weil man den Gedanken! an diesen Blick schon nicht erträgt. Weil man sich selbst so hässlich, minderwertig, abartig etc. fühlt, dass das grad so gar nicht geht. Weil man nicht die Kraft hätte sich aus der Situation zu winden, wenn es aus irgendwelchen Gründen nötig sein sollte. Weil man sich z.B. doch nicht so sympathisch ist wie gedacht.  Wie erklärt man, dass man gerade niemanden in seine Wohnung lassen kann? Dass Blickkontakt halten seit Wochen nicht möglich ist und man das nicht mag  und so einfach kein Treffen möchte. Dass man mit seiner aktuellen Ausstrahlung selbst den Weg zum Einkaufen schon als Belastung empfindet, weil man dabei gesehen wird. Weil man dabei angeschaut wird. Und bei diesen – nicht mal bösen – Blicken einfach nur im Erdboden versinken möchte. Nicht da sein möchte. 

Wie erklärt man, dass man allein bei diesen Erklärungsversuchen schon so viel Druck im Inneren hat, dass man das Heulen nicht verhindern kann. Und der Kloß im Hals trotzdem unglaublich weh tut. Weil man es einfach nicht schafft zu vermitteln was man meint. Weil man sich selbst so unglaublich anstrengend und schrecklich findet, weil man so ist, wie man halt gerade ist.

Wie erklärt man das überhaupt? Und am besten in 140 Zeichen?

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