Vor ein paar Wochen hat mich D. gebeten über meine Säulen nachzudenken. Die Säulen in meinem Leben. Die Säulen auf denen ich aufbauen kann. Morgen ist der Termin den wir uns gesetzt haben um darüber zu sprechen.  Nein, eigentlich habe ich mir den gesetzt. Um das Thema nicht ins Unendliche wegzuschieben. So wie ich das nun mal tun würde, wenn es kein Datum gäbe. Jetzt ist in 11 Stunden der Termin und ich bin genauso schlau wie vorher. 

Natürlich habe ich immer mal wieder darüber nachgedacht. Aber nie ernsthaft lange. Denn meistens ist mir einfach gar nichts eingefallen. 

Was sind Säulen in einem „normalen“ Leben? In einem gesunden Leben? Was würde jemand gesundes als Säulen betrachten? 

Familie.

Beruf.

Freunde.

Noch etwas? Mir persönlich fällt da schon nicht mehr viel zu ein. Ich kenne Menschen die in ihrem Beruf voll aufgehen. Ich kenne echte Familienmenschen. Und ich kenne  Menschen die auf ihre Freunde bauen. Worauf kann man sich sonst noch stützen?! Worauf stützt ihr euch so?

Und ich merke, dass ich diesen Artikel vllt. früher hätte schreiben sollen. Möglicherweise hätte er mir noch Antworten zum darüber nachdenken geben können. Aber das ist nun zu spät. Reaktionen von euch hätte ich natürlich trotzdem gerne. 

Wenn ich mir jetzt diese 3 Säulen anschaue, was bleibt dann bei mir?

Betrachte ich meine Familie als Säule? Kann ich darauf bauen? Nun ja… ist es für meine Leser überraschend, wenn ich spontan sagen würde: Nein. ? Vermutlich nicht. Ich sehe es nicht als stabile Säule. Zu kraftraubend ist es meistens. Aber ja… sie würden mich nicht im Stich lassen, wenn es hart auf hart kommt. Aber so hart soll es ja gar nicht erst kommen, oder? Ich betrachte sie vllt. als kleine Säule. Die mich auffängt, wenn alles andere bricht und ich dann mit Karacho nach unten scheppere und aufschlage. Schmerzhaft aber besser als ins bodenlose gefallen zu sein. 

Betrachte ich meinen „Beruf“ als Säule? Nun ja. Muss ich das jetzt weiter ausführen?  Es ist halt ein Traum. Der mal mehr mal weniger realistisch ist. Aber drauf stützen? Nein. Dafür war es bisher wohl zu wenig erfolgreich. Ich habe ja nichts in der Hand. Scheitere ich jetzt habe ich ein mittlerweile 6 Jahre altes Abitur. Danach nur Lücken im Lebenslauf. Es ist definitiv keine Säule. Es ist fast schon eher ein Gewicht auf meiner Plattform. Und manchmal, da hält es mich im Gleichgewicht. Manchmal gerät es ins Schwanken und bringt auch mich zum Schwanken. Dann brauch ich eine Menge Energie um dieses Gewicht da zu halten wo es hingehört. Ist es gar nicht da fühle ich mich aber leer. 

Was bleibt in meiner Gleichung? Die Freunde. Und ja, sie sind wunderbar. Sie sind da. Sie sind eine Säule. Eine kräftige, breite Säule. Und ich bin so dankbar. Hätte man mir vor 10 Jahren gesagt, dass ich so ein soziales Netz haben werde, ich hätte demjenigen vermutlich einen Vogel gezeigt. Ich? Freunde? Gute Freunde? Echte, ehrliche, wahre Freunde? Niemals. Und jetzt sind sie da. Viele. Und die Blog-„Bekannten“ nicht mal dazu gezählt. Denn sie sind nun mal nicht immer greifbar, aber sie sind da. Sie federn mich ab, machen alles etwas leichter. Sie halten mich. Selbst wenn ich es nicht immer nutze, ich weiß sie sind da. Danke.

Und dann.. fällt mir hier beim Schreiben auf, dass man sich auch auf sich selbst stützen kann, oder? Auf sich selbst vertrauen. Auf sich selbst aufbauen. Nicht weiter verwunderlich, dass mir das erst so spät auffällt, oder? Und diese Säule ist klein und bröckelig. Irgendwo kurz über der Familien-Säule. Sie ist nur da, wenn es sich nur noch wie „überleben“ anfühlt. Wenn ich die Wahl zwischen Leben und Sterben habe. Wenn dann der Wille gewinnt, das ist meine kleine Ego-Säule. Mein Lebenswille. Auf den ich mich ganz kurz vor knapp noch verlassen kann. 

Und sonst? Betreuung. Eine Säule, neben den Freunden. Aber flackernder. Mal da, mal nicht da. Und irgendwann gar nicht mehr.  Es ist ihr Job sich überflüssig zu machen. Aber erst mal ist sie da. Mehr oder weniger stabil.

Medikamente. Hoffentlich bald wieder. Und ja… ich erinnere mich noch gut dran, dass ich sie als Säule nicht wollte. Aber offensichtlich geht es nicht anders. Und das muss ich dann wohl doch mal einsehen.

Die letzten beiden sind irgendwie künstliche Säulen. Die Ego-Säule ist viel zu mickrig. An der Familien-Säule wird sich vermutlich nach 27 Jahren nichts mehr ändern. Und Beruf? Nun ja…

 

Edit: Und es ist schon äußerst bezeichnend, dass mir „Partnerschaft“ als Säule weder bei „normalen“ Menschen noch bei mir als Option überhaupt einfällt… und mir der Gedanke erst 4 Stunden später kommt. ^^

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