Wie angekündigt nun dieser Artikel. Weil mir der Gedanke auch gerade wieder kam. Und immer mal wieder.

Ich stehe an der Haltestelle, tippe auf meinem Smartphone und höre Musik mit dem IPod. Ich bin auf dem Weg zur Tafel. Klingt das merkwürdig? Ich gehe noch weiter. Wieso muss ich die Tafel in Anspruch nehmen, wenn ich mir das doch offensichtlich leisten kann? Wenn ich doch eine zwei Zimmer Wohnung habe und mir sogar Tiere leisten kann. Letzteres ist übrigens auch der Anstoß für diesen Artikel. Ich wurde bei Twitter gefragt wie das zusammen passt. Nun ja, das passt ganz gut. Aber fangen wir mal vorne an.

Meine Wohnung wird auf Grund meiner Erwerbsunfähigkeit vom Amt übernommen. Sie entspricht dabei der hier üblichen Norm, die für eine Person vorgesehen ist. Dass meine Wohnung so groß ist wie sie ist, ist also kein Hexenwerk.

Davon ab bleibt es jedem selbst überlassen was er mit seinem Geld, welches er vom Amt bekommt anstellt, nicht wahr?

Aber langsam. Es bleiben Tiere, IPod und Smartphone. Und die Tafel.

Meine Miezen habe ich schon länger als ich ein Fall fürs Amt bin. Das tut allerdings nichts zur Sache. Ich habe gelernt mit wenig aus zu kommen. Schon vorher. Sie abzugeben wenn es finanziell schwieriger wird stand natürlich auch niemals zur Debatte. Was sie mir bedeuten habe ich oft genug geklärt. Sie kosten mich übrigens maximal 25€ im Monat und es geht ihnen davon sehr gut. Andere würden diese 25€ vielleicht verrauchen. Oder vertrinken. Oder verfeiern. Die Tierarzt-Kosten haben meine Ersparnisse gekillt, ja. Aber ich bin mir überaus sicher, dass ich eine erneute Behandlung auch bezahlen könnte. 😉

Wo kommt der ganze Luxus her? Wie z.B. der IPod? Der ist mehr als vier Jahre alt. Damals war ich frisch eingewiesen und mir ging der gefühlt hundertste MP3 Player kaputt. Besser mal in Qualität investieren war mein Gedanke. Dass er immer noch funktioniert sagt doch alles. Technik überlebt bei mir eher selten so lange. Aura und so.  😉 Gerade konnte ich mal wieder einen Kopfhörer nach 11 Monaten beerdigen. Nicht mal ein Jahr! Wo kam das Geld her? Ich war zwölf Wochen in der Klinik, habe Monate davor nur von nem Sack Pommes mit Ketchup in der Woche gelebt. Ich brauchte kein Geld für Lebensmittel. Es war machbar. 

So weit klar?

Und jetzt das Smartphone. Welches ich gleich tief in der Tasche verschwinden lasse, denn ich bin so gut wie da. Ich habe ein Jahr lang Zeit gehabt immer wieder zu rechnen ob ich mir das leisten kann. Ob die fünf Euro im Monat mehr die der neue Vertrag kosten würde möglich sind. Das Handy selbst hat nur einen Euro gekostet. Und ja es ist möglich. Denn ich rauche nichts, trinke nicht jede Woche auf irgendeiner Party und überlege meist gut wofür ich mein Geld ausgebe. Ich führe Haushaltsbuch. Ziemlich penibel. Monate im voraus. 

Trotz allem habe ich ein klein wenig Schulden. Denn spontan „mal eben“ ein Schreibtisch ist dann doch nicht drin. 😉 Ende des Jahres hat sich aber auch das erledigt und danach wird so etwas nicht mehr vorkommen. Aber wie gesagt, alles kein Drama. 

Wäre geklärt wie ich mir all den Luxus leisten kann. 😉 Dabei verstehe ich völlig, wenn jemand seine Prioritäten anders setzt. Wenn die Mutter ihr weniges Geld für ihr Kind aufspart und eben kein neues Handy drin ist. Wenn jemand Raucher ist und eine beträchtliche Summe für Kippen drauf geht. Wenn jemand lieber jedes Wochenende feiert, als sich gescheit zu ernähren. Dann bitte schön. Es bleibt jedem selbst überlassen wie er sein Geld ausgibt. Solange er nicht saufen geht und danach darüber jammert, dass er verhungern wird. 😉

Ich bin mir auch im Klaren darüber, dass es für junge Familien und Sonderfälle finanziell bescheidender aussehen kann, als für einen Hartz 4 Single. Dass es bescheuerte Regelungen gibt, das Bildungspaket betreffend. Dass es Menschen gibt die nicht mal im Ansatz so gute Erfahrungen mit dem Amt haben, wie ich. Das weiß ich alles. Das würde jetzt aber zu weit führen. Hier soll es nun zum Ende kommen. Denn verhungern muss hier niemand. 

Warum nutze ich die Tafel? 

Weil ich es kann. Weil ich dazu berechtigt bin. Und hier bei mir in der Stadt ist das wirklich ziemlich bürokratisch geregelt. Sehr gut übrigens, wie ich finde. Ich darf die Tafel nutzen, also tue ich es auch. Und ich bin dankbar dafür. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür. Ich nehme das nicht als Selbstverständlichkeit, sondern freue mich über jede Kleinigkeit die ich da bekomme. Selbst wenn ich mich über das ein oder andere Kilo Wurst auch schon mal ärgere. 😉 Dann aber weil ich nicht weiß wie ich es vernichten soll und weil ich es als Verschwendung betrachte, wenn es mir schlecht wird. Aber ich freue mich.

Weil die Tafel mich auch dazu bringt frisch zu kochen. Weil ich bewusster esse. Einen ganz anderen Bezug zu Lebensmitteln habe. Weil ich plötzlich anfange Rezepte zu suchen und sie aufzuschreiben. Und diesen Schritt hätte ich ohne die Tafel vermutlich so nicht gehen können. Denn ich brauche nun mal Anreize. Und Schubser. Und wenn mein Tafeljahr Ende Mai wieder vorbei ist, dann werde ich ein so unglaublich volles Rezeptbuch haben, dass ich auch ohne Anreize und Schubser weiß was ich kochen kann. 🙂 Denn auch wenn das merkwürdig erscheinen mag… ich lerne jetzt erst wirklich kochen.

Und warum „verstecke“ ich mein Handy kurz bevor ich ankomme? Weil ich die merkwürdigen Blicke nicht ertrage. Weil diese Blicke nun mal kommen. Ein paar Schubladen werden geöffnet, ich werde als möglicher Schmarotzer reingesteckt und angestarrt. Und das Anstarren ist mein Problem. Nicht, dass ich es besitze und zur Tafel fahre. Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen. Nicht mehr. Denn ich weiß, dass ich niemanden ausnutze. Oder undankbar bin. Ich bin kein Schmarotzer. Ich gebe mir die größte Mühe das Beste aus meiner Situation zu machen. 🙂

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