…oder: So geht man mit Menschen um.

Spann ich euch mal nicht weiter auf die Folter. Ihr habt schließlich ausgiebig mit gelitten.

Die gute Frau ist übrigens tatsächlich Sozialpädagogin. Das habe ich heute zufällig gelesen. Und in diesem Steckbrief gibt sie auch an, dass sie Intoleranz ganz doll mies findet. Nun ja, vermutlich nur solange sie für die Toleranz nicht von ihrer Meinung abweichen muss. ^^

Ich hatte gestern um 10 Uhr die Vorstellung bei meinem Anleiter im EDV-Bereich. Denn immerhin dafür muss ich ihr ja dankbar sein. Sie hat sich eingesetzt mir einen Platz zu besorgen der eigentlich gar nicht da ist. 

Mein Anleiter ist cool. Mediengestalter, irgendwo kurz vor den 50. Chucks, Glatze, Tattoo(s). Klamotten hauptsächlich bunt. 😉 Und unglaublich entspannt und gelassen.  Fast schon zu gelassen. *g*

Ich bin da natürlich wieder mit Bauchweh aufgetaucht. Unglaublich viel Bauchweh. So „Ich renne gleich direkt mal auf Klo“-Bauchweh. Und nachdem ich mich durchfragen wollte, aber die Frau die ich fragen wollte von einer anderen Teilnehmerin tot gequatscht wurde, bin ich dann auch erst mal gerannt. Und habe mich danach selbst auf die Suche gemacht. Und bin fündig geworden. 

Der Anleiter ist so die Art Mensch die von einem Ohr bis zum anderen grinst, wenn sie grinst und dabei die Augen so ganz putzig zu Schlitzen zusammenkneift. Das sieht dann so lustig aus, dass man zwangsläufig selbst grinsen muss. 😀

Ich wurde erst mal in einem Büro zwischen geparkt. „Ich bin gleich bei Ihnen. Dauert nur kurz. 2 Minuten.“ Kurz. Ja. Die Zeitrechnung in diesem Universum ist etwas anders. Kurz sind dann schon mal 10 Minuten. Mindestens. Zeitnah ist in etwa 2 Wochen. Nichts eilt. Alles „macht man irgendwann schon“. Warten war für meine Anspannung jetzt nicht unbedingt so gut. Aber als er dann da war verflog das recht schnell.

Datenabfrage. Alles was ich am Tag vorher mit der Schnepfe geklärt hatte durfte ich noch mal erzählen. Wofür sie gut war ist mir weiterhin ein Rätsel. Mein Studium kommentierte er erst gar nicht. Als ich aufatmete und froh war, dass es keine Diskussion gab fragte er nach und schloss mit einem: „Soll doch jeder studieren was er mag.“ Im weiteren Verlauf meinte er dann noch, dass ich mir nur klar sein müsste, dass ich eine Finanzierungsalternative bräuchte. Studium abschließen wäre schön und gut – zu keiner Zeit stellte er in Frage, dass es machbar wäre – aber über ein finanzielles Standbein sollte ich mal nachdenken. Hätte Zeit, aber Ideen wären gut. Ja. Alles gut. Weiß ich. Aber eilt ja nicht. Ist ja nen völlig anderes Universum, ne? 😉

Der Papierkram dauerte keine 2 Stunden. Dann war ich wieder raus. Mit einem Spickzettel was ich heute noch an Daten mitbringen müsste und dem Auftrag mal zu schauen ob ich doch das Ticket wechseln könnte. Immerhin sollte ich mir einen Arbeitsplatz mit jemanden teilen und da müsste man die Stunden sinnvoll aufteilen. Arbeitsbeginn heute: 10 Uhr.

Weil ich noch 5€ Pfand für den Spint besorgen musste – weil ich gestern zu faul war 200m Umweg zu laufen , bin ich heute ziemlich früh raus. Zu früh, weil ich ja dann doch fast gerannt bin. Hab dann eine Bahn früher genommen als nötig, war fast ne halbe Stunde vor Arbeitsbeginn in der Straße und bin noch einkaufen gegangen. Rewe direkt vor der Tür. Sehr praktisch. An der Kasse ließ man mich mit meinen 3 Teilen gleich 2x vor. Und ich zahlte mit 3,33€. Ich liebe so Zahlen ja. Strahlend wünschte ich allen einen guten Tag und dachte mir schon, dass man mir heute zu keiner  Zeit abnehmen würde, dass ich schüchtern bin… 

Noch Zeit gehabt vor der Tür einen kalten Kaffee zu trinken und dreimal durchzuatmen. Ein wenig nervös war ich halt trotzdem noch. Auf dem Weg zum Büro habe ich dann noch direkt mal jemanden nach der Kaffeeliste gefragt. Die empfand ich als etwas irritierend. Aber sowas gehört halt schnell geklärt, ne? ^^ Anleiterlein war dann schnell gefunden. Meinen Arbeitsplatz durfte ich mir auch noch aussuchen. Meine Wahl führt dazu, dass mir irgendwann mal wer im Rücken sitzen könnte. Wäre natürlich nicht so ideal, aber selbst so weit vom Schuss sitzen wollte ich auch nicht. Meinen Spint bekam ich auch recht fix und dann wurde ich mal „kurz“ mit meinen Kollegen im Raum alleine gelassen. Wir erinnern uns „kurz“ ist sehr relativ. Ich glaube es war ne gute Dreiviertelstunde. In der Zeit hat mir mein Rollenspieler-Informatiker-Kollege (nennen wir ihn doch mal Rik; es fühlt sich merkwürdig an… denn das ist tatsächlich der erste und bisher einzige Fakename den ich in diesem Blog verwende…) mal eben gezeigt wie ich meine Daten wo und warum speichere. Wo ich den Urlaubsantrag (für die Hautarzt-OP nächste Woche) und meinen Stundenzettel finde und wie ich die Drucker einrichte und welcher wo steht. Dann kam Anleiterlein wieder und meinte ich könnte mir ja schon mal die Ordnerstruktur anschauen und einen eigenen Ordner anlegen… Ach ja und schauen wo die Vorlagen für Stundenzettel etc. liegen. Rik und ich mussten lachen als er dann raus war. Aha. Das was ich gerade erledigt hatte sollte ich nun tun. Der Urlaubsantrag lag doch schon bei ihm auf dem Schreibtisch. ^^

In der Zwischenzeit hatten wir dann auch sämtliche Klinikaufenthalte und Diagnosen durch. Wir quatschten  wie die Wasserfälle, der ältere Kollege verschwand zwischendurch und das Büro gehörte uns. Insgesamt stehen hier 5 Tische. Sofern ich das überblicken kann sind dann jetzt im Moment maximal 3 gleichzeitig besetzt. Vielleicht hatte aber auch jemand Urlaub heute und ist morgen da. Es gibt noch einen zweiten EDV-Raum. In dem sind auch 5 Tische. Die allerdings alle voll. Ich bin mit meinem Raum schon ganz zufrieden. 

Irgendwann bekam ich tatsächlich einen Auftrag. Mir die alten hausinternen Zeitungen anschauen und mir Gedanken über einen Artikel machen den ich schreiben könnte. Wie? Echt jetzt? Ich soll nen Artikel schreiben? Ja. Geil. 😀 Es macht mich nervös. Ist natürlich was anderes als mal ein wenig bloggen, aber die Auflage von 4 oder 5 Zeitungen wird mich nicht umbringen und sonderlich anspruchsvoll muss das ganze auch nicht sein. Aber hey… es ist ne Zeitung. 😀 Ich habe sämtliche 15 Ausgaben durchgeschaut, festgestellt dass es viele Artikel über Hartz 4 Rechte gibt, die Frau die in den ersten 10 Ausgaben Kochrezepte in Massen veröffentlichte wohl nicht mehr dabei ist und in der nächsten Ausgabe ein Artikel über die Scheibenwelt von Pratchett erscheinen wird 😀 Muhaha. Es finden sich aber auch Artikel die sich auf die Psyche beziehen. Ein paar Forschungen angerissen (Tetris hilft gegen Traumata?!), ein paar Depressions-Klassifikationen. Das Spektrum ist recht vielfältig und in mir sprudelten die Artikel-Ideen. So wie es ja eh gerade sprudelt. Da die gesamte Joborientierung auch wert darauf legt die Teilnehmer in Bewegung zu bringen (monatliche Radtouren!) wäre ein Artikel über Geocaching (in Gruppen) eine Option. Genauso wie die Tibeter oder generell Entspannungsübungen. Oder ein Artikel über Winterdepressionen. Auch fehlte mir bei all den rechtlichen Informationen die Tafel. Viele haben da ja wirklich keine Ahnung welche Rechte sie haben. Oder wie einfach das eigentlich ist. Ihr seht… die Auswahl ist da. Und da ich davon ausgehe, dass ich heute eigentlich nicht alle Zeitungen durchblättern sollte, werde ich wohl auch Zeit haben. ^^

Wie gesagt. Zeit. Ich merke wie ungeduldig und zappelig ich bin. Wie ich in der Pause – mit Rik durchgequatscht – ständig auf die Uhr gucke damit es auch wirklich nur 15 und nicht 16 Minuten sind. Wie ich mich wenn Anleiterlein rein kommt ertappt fühle, weil Rik und ich halt wirklich dauerhaft plappern und ich denke „wir sollten den Monitor anstarren und arbeiten“. Ich werde aber immer wieder gebremst und man sagt mir alles wäre okay. „Wir sind ja nicht auf dem 1. Arbeitsmarkt.“ Wird Anleiterlein zitiert. Nicht übertreiben, aber mal ne Minute zu spät kommen tötet keinen. Auch nicht einen selbst. Das Fotoplakat welches meine Kollegen gerade fertigstellen, soll z.B.  zeitnah also in etwa 1-2 Wochen fertig sein. ^^ Und solange man irgendwie arbeitet – und das ja wie gesagt sehr langsam – ist auch das Quatschen okay. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass es im Raum nebenan wesentlich ruhiger ist. 

Um 12 Uhr kam die Frau, die mit mir den PC Platz teilt und wegen der ich dann ab morgen um 9 Uhr arbeiten darf. 😉 Bei ihr geht es darum, dass sie nur Bus fahren kann, wenn definitiv keine Schüler dabei sind. Wie das Nachmittags auf dem Rückweg funktionieren soll ist mir ein Rätsel, aber ehrlich gesagt auch nicht mein Problem. Sie ist nett, sympathisch. Aber… naja.. unbehandelt. Therapieverweigerung. Klinikverweigerung. Ich bin ganz froh, dass wir uns die Klinke in die Hand geben und nicht den Tag miteinander verbringen müssen. Da dann  lieber nen emotionslosen Informatiker an meiner Seite. Sowas bin ich ja gewohnt. ^^ Und nen lebendes Lexikon ist das auch. o.o

Also.. ich vermelde: Alles gut. Sollte das so entspannt bleiben, werde ich die nächsten 6 Monate vermutlich überleben. Und um vor 13 Uhr wieder zu Hause zu sein ist ja auch nicht so schlecht, ne?  Da ist selbst mit Mittagsschlaf noch viel Zeit übrig. Nächste Woche dann mal schauen wie ich da Uni und Sport unter bekomme 😛

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