„Ich bin irgendwie voll nervös.“ – „Ähm, wieso?“ – „Stell dir einfach vor, du hättest 7 Jahre nicht im Kart gesessen und stehst kurz davor es wieder zu tun.“ – „Ah.“ Er grinst.

So war das gestern Abend. Ich war nervös. Total. Nicht nur, weil mein Hintern in der Hose wirklich unglaublich fett aussah. Nein, auch weil ich seit 2006 nicht mehr richtig Badminton gespielt habe. Das letzte Mal wirklich gespielt habe ich in der Schule. Es brachte mir in diesem Halbjahr meine einzige 1 in Sport. Jemals! Sonst waren meine Sportnoten eher so 4- und weil man wegen Sport nicht sitzen blieb, immer 4.

Ich habe ungefähr 1996 mit Badminton angefangen. Damals war ich 10, 11 oder 12 . Wir hatten einmal die Woche Training. Wir waren schließlich auf dem Dorf. Die kleinen (also wir) konnten um 16 Uhr anfangen. Danach kamen die großen Jugendlichen. Je älter man wurde, desto länger konnte man bleiben. Irgendwann war ich so alt, dass ich theoretisch nicht mehr als „Kleine“ hätte kommen dürfen. Aber zu dem Zeitpunkt haben wir dann bereits das Training übernommen. Im Endeffekt hab ich also jede Woche 4 Stunden gespielt. Gerne. Leidenschaftlich gerne.

Wir hatten Stadtmeisterschaften. Was in Hattingen jetzt nicht so riesig war. Aber es war dennoch ein kleines Event. Einmal im Jahr. Und ich nahm in 4 oder 5 Jahren daran teil. In allen 3 Kategorien. Einzel, Doppel, Mixed. Und ich war gut. Wirklich gut. Ich könnte jetzt nicht mehr beschwören wie häufig, aber ich wurde einige Male Stadtmeisterin. Im Einzel und im Mixed. Im Doppel wurden wir immer nur 2. Immer.

Beim Badminton habe ich nie aufgegeben. Den ersten Satz verloren? Scheiß drauf. Das klappt noch. Und es hat auch immer irgendwie geklappt.

Mit 16/17 hatte ich dann ein beschissenes Übergangsalter. Zu groß für die Jugend, denn die war einfach nicht mehr existent. Was früher „Jugend“ war, war jetzt Senior. Nicht mehr in unserem Training. Wir waren wie gesagt auf dem Dorf. Abgesehen von mir und zwei weiteren Mädels gab es keinen Nachwuchs. Und die beiden hatten noch andere Verpflichtungen. Also hörte ich auf, zog ein paar Monate später nach Essen und habe hier dann nie einen Verein gefunden.

Zum einen waren die Trainingszeiten zu krass oder zu lasch. Ich habe einen Verein gesucht bei dem ich mehr als 1x die Woche Training habe, vielleicht hin und wieder mal einen Leistungsnachweis erbringen kann (Spiel, Turnier), aber mir niemand den Kopf abreißt, wenn ich es mal nicht schaffe. Nicht einfach nur Federball, aber auch eben nicht Militärprogramm. 😉

Oder mir stand meine Angst im Weg. Fremde Menschen und so. 😉

Einmal bin ich sogar zu einem Hobbyverein gefahren und wollte mittrainieren. Aber da war nicht mal ein Trainer vor Ort und ich spielte im Endeffekt mit drei weiteren, die auch nur mal gucken wollten. Das war mir dann wieder zu lasch. Ich möchte ja schon gerne noch was lernen!

Gestern hatte ich also wieder einen Schläger in der Hand. Und es war wunderbar. Es war so unglaublich befreiend. Ich hatte vorher noch „Pläne“, wie ich beim Schmettern daran denke, wer nun die Bälle abbekommen soll… und so… Das kann schon mal ungeheure Schlagkraft provozieren. 😉 

Aber auf dem Feld, da war das dann vorbei. Da war egal, dass meine Klamotten scheiße saßen und ich mich nicht wohl gefühlt habe. Da war es egal, dass wir das mittlere Feld hatten und uns nicht „verstecken“ konnten. Da war es einfach nur toll.

Und ich mag Sport nicht so gerne. Ich denke beim Sport immer nach. Denke darüber nach wie ich eine Bewegung auszuführen habe, verhedder mich in dem Gedanken und mach alles mühsamer als es ist. Ich springe beim Aerobic nicht. Ich variiere. Weil ich denke, dass meine Knie das nicht können. Oder der Bauch schwabbelt, oder ich mich selbst mit meinen Brüsten erschlage. Im Ernst. Ich tue das nicht. Das ist auch das was mich beim Joggen mit am meisten stört. Aber bei der Jagd nach einem Ball? Egal. Da bin ich gesprungen bevor ich drüber nach gedacht habe. Da gibt es Ausfallschritte von denen ich sonst nur Träume. 

Ich denke beim Badminton nicht. Ich spiele einfach. Und wenn meine Kondition nicht so beschissen wäre, dann hätte ich auch die restlichen Bälle bekommen. Auch die links hinten in der Ecke. ^^ Denn ich bin gut. Verdammt gut. (Auf Hobbyniveau betrachtet.) 

Natürlich hat das „nicht nachdenken“ auch seine Nachteile. Ich bewege mich heute wie eine alte Frau. Eine sehr alte Frau. Mir tut jeder Muskel weh. An Stellen wo ich nicht mal wusste, dass ich welche habe. Mein Arm lässt sich nur bedingt heben, weil man einfach merkt, dass der Oberarmmuskel sehr, sehr müde ist. Aber das ist egal. Denn es war toll.

Und wenn ich im April beim nächsten Orthopäden war, der verdammt gut sein soll und ich endlich mal eine brauchbare, behandelbare Diagnose bekommen sollte. Dann werde ich das klären. Und mich danach wieder im Verein anmelden.

Habe nämlich einen gefunden. Für 6,50€ im Monat. Mit 7 möglichen Stunden in der Woche. Dafür gehe ich sogar auf Menschen zu. Echt jetzt. 

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