Dies ist mein Beitrag für den Adventskalender bei Frollein Keks. 🙂

Meine Leser wissen das. Für diejenigen die nun von Frollein Keks hier her gefunden haben: Ich beziehe Hartz 4. Mehr oder weniger regelmäßig gehe ich Plasma spenden und stocke das Wenige was ich habe damit auf. Ich komme meistens aber sehr gut klar und kann mir z.B. auch das ein oder andere Konzert erlauben und zu wichtigen Geburtstagen geht auch selten einer leer aus. 

Aber Weihnachten ist anders. An Weihnachten beschenkt man direkt viele Menschen auf einmal. Kann nicht nacheinander dafür sparen, sondern muss direkt einiges gleichzeitig bezahlen. Und das läppert sich zusammen. Selbst wenn man nur Kleinigkeiten verschenkt und nur der gute Wille zählt. Und dann gibt es da ja auch noch dieses unglaubliche Phänomen:

Weihnachten kommt immer so plötzlich. 

Dann die große Frage. Wen beschenkt man überhaupt?
Feststehen da dann natürlich die Familienmitglieder. In meinem Fall sind das 4.

Und dann kommen da noch die Freunde dazu… Eben aus finanziellen Gründen habe ich mich dieses Jahr auf 8 beschränkt. (Ich hätte aber das Bedürfnis da mindestens noch mal genauso viele auszuwählen. Einfach weil sie es verdient haben.) Macht 12 Geschenke. Selbst wenn wir jetzt annehmen, dass wir für jedes Geschenk nur 5€ (Und ja… auch selbst etwas basteln oder backen kostet…. Material. Zutaten. Nerven.) ausgeben, bräuchten wir schon 60. Eine Summe die ich von Oktober bis Dezember zusammenbekommen würde. Mühsam, aber machbar.

Um euch nicht zu langweilen – und meine Freunde nicht zu spoilern – sehe ich mal von einer detaillierten Aufstellung ab. 😉 Aber ich habe mir die zu Beschenkenden notiert. Habe dahinter meine Geschenk-Ideen geschrieben und bis auf den Cent genau! ausgerechnet was mich das kosten wird. So und nicht anders funktioniert das. Und das hat dieses Jahr wirklich gut funktioniert. Eigentlich.

Noch im November war ich mit allen Geschenkideen durch, hatte 10 von 12 bereits hier liegen und war dabei nicht pleite gegangen. Mit Gutscheinen, die ich mir durch Umfragen erarbeitet hatte, mehreren Plasma-Spenden und einer Spende meiner Mama, die hilfreich einsprang, als ich kurz befürchten musste mein Konto um knapp 4€ zu überziehen. Insgesamt waren das 100€ für 10 Geschenke. Ich bin so weit zufrieden damit gewesen. Dachte ich hätte für alle das richtige gefunden (denke ich auch immer noch weitestgehend) und wäre jedem gerecht geworden. Eigentlich.

Alles könnte so einfach sein.
Doch da habt ihr die Rechnung ohne meine Familie gemacht. 😉 Gewisse Teile meiner Familie rechnen Geschenke automatisch in Geld um. Da zählt dann nicht unbedingt die liebevolle Idee die dahinter steht, sondern auch der Wert. (Vermutlich fällt es ihnen gar nicht auf, ist einprogrammiert und nicht böse gemeint.) Das kann mitunter ziemlich anstrengend werden. Und in meiner Situation auch sehr belastend.

Ich schenke sehr, sehr gerne. Wirklich. Auch wenn das in Stress ausartet. Ich freue mich, wenn ich das Geschenk dann überreiche und derjenige sich freut. Und meistens tun sie das. Ich habe glaub ich noch nie (zumindest im Freundeskreis) wirklich richtig daneben gelegen (Zumindest hat mir das noch nie jemand gesagt ;)).  Aber bis zu dieser erleichternden Freude habe ich auch Angst. Angst und Zweifel. Dass das Geschenk wirklich beschissen ist. Nicht gut genug, nicht gefällt. Das ist leider der ungesunde Teil in mir. Der psychisch angeschlagene. Und ja, auch in mir tickt diese kleine Rechenmaschine. Ich sage ihr nur immer wieder wie bescheuert sie doch ist…

Aber dann bekommst du mit wie viel die Geschenke die du selbst bekommen wirst, bzw. schon bekommen hast, gekostet haben. Und weißt, dass es für diese Personen teilweise genauso schwierig ist das Geld zusammen zu halten. Dann fängt die kleine Rechenmaschine an zu arbeiten… und dann fühlst du dich schlecht. Weil das was du ausgesucht hast 5€ weniger gekostet hat (oder weil du einfach gar nicht dran gedacht hast dieser Person etwas zu holen). Weil du die Prioritäten anders gesetzt hast und das Geschenk für XY teurer war als für XZ. Und dich jetzt aber XY mit so einer Großzügigkeit überrascht, dass du kräftig schlucken musst. Solange schlucken bis du dein Gewissen beruhigt hast, oder zumindest wieder in den Magen gedrängt hast. Es ist nicht einfach als psychisch angeschlagene, unsichere Person Geschenke zu machen. Aber es ist noch schwieriger sie anzunehmen. Weil man nie glaubt, dass man sie wirklich verdient hat. 

„Warum gibt XY so viel Geld für mich aus? FÜR MICH?“ – „Wie soll ich das je wieder gut machen…? Kann ich mir leisten noch etwas drauf zu legen?“ Nein. Kann ich nicht. Und eigentlich muss ich auch nichts gut machen. Ich zwinge ja niemanden mir etwas zu schenken und ich bin gewiss nicht undankbar. Schwierig bleibt es trotzdem.

Für den ein oder anderen mag das übertrieben wirken. Aber so fühlt sich Weihnachten für mich tatsächlich an. Denn hier trifft alles geballt aufeinander.
Auf der einen Seite möchte man unbedingt schenken, hat aber einen eng gesteckten finanziellen Rahmen. Gepaart mit anspruchsvollen Menschen die sich nicht mit einem gebrauchten Buch zufrieden geben, und die einem hin und wieder auch das Gefühl geben sich rechtfertigen zu müssen, dass man eben nur wenig ausgeben kann. Und dass das maximal Budget für eine Person nun mal bei 20€ liegt.
Auf der anderen Seite die Menschen die einen selbst beschenken und die in einem selbst die Zweifel nähren das richtige ausgesucht zu haben und die Frage aufwerfen warum und ob man das überhaupt verdient hat. 

Ich bin jedenfalls froh, dass ich jetzt endlich alle Geschenke zusammen habe und mir da ein Jahr lang keine Gedanken mehr drum machen muss. Und nur bei einem einzigen habe ich Angst vor einer blöden Reaktion oder einem blöden Spruch. Einem „Ach.. wie einfallsreich…“ oder ähnlichem. Auch die meisten unerwarteten Überraschungen müssten jetzt langsam vorbei sein.. von meiner Familie weiß ich zum Glück bereis jetzt was ich bekommen werde. Das kann mich nicht mehr überwältigen. 😉

Wie ist das bei euch? Kennt ihr irgendwas davon? Mehr schenken wollen als Geld zur Verfügung steht? Undankbare Menschen die ihr dennoch beschenken wollt/müsst? Diese Zweifel und Unsicherheit? Und wie ist das bei euch. Könnt ihr Geschenke einfach problemlos annehmen? 

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