es tut mir leid, dass ich in Ihren Augen die wohl schlechteste Mieterin aller Zeiten bin. Ganz ernsthaft. Es tut mir so unendlich leid, dass ich meiner Putzpflicht quasi nie nachkomme. Es tut mir auch wirklich leid – allerdings für mich – dass sie immer genau dann zufällig im Haus sind, wenn ich es mal wieder verbockt habe. Und natürlich nicht, wenn es jemand anderes nicht getan hat. Denn das wäre ja dann witzlos. Und stressfreier. Aber falls es sie beruhigt: Ich habe ein ausreichend schlechtes Gewissen.

Ich könnte Ihnen jetzt erklären wieso das so ist. Wieso ich nicht putze. Ich könnte Begriffe wie „Angst“ und „Panik“ in den Raum werfen. Davon sprechen, dass ich nichts tun kann, quasi unfähig und/oder wie gelähmt bin wenn man mir dabei zuschaut und im Flur ja quasi ständig jemand rumläuft – vor allem wenn ich dann wirklich mal putze! – und man mir dann auf den Hintern starren kann, weil ich gerade mit rotem Kopf über dem Putzeimer hänge. Das mag für Sie jetzt vielleicht uninteressant und nichtig sein. Vielleicht sogar nach Ausrede klingen. Aber liebe Frau Hausverwaltung, glauben sie mir einfach. Das ist so. Könnte ich nachts putzen ohne dass ich dann Angst haben müsste, dass hier jemand von Ruhestörung spricht, glauben sie mir, die Hemmschwelle wäre nur noch halb so groß. Zugegeben es käme dann das Problem auf, dass ich eventuell erklären müsste wieso ich nur nachts putzen kann (weniger Menschen unterwegs usw.), aber es wäre einfacher. Ein wenig.

Liebe Frau Hausverwaltung, Sie sind vermutlich gar kein so herrisches Monster wie ich mir mittlerweile einbilde, aber ich habe ernsthaft Angst vor Ihnen. Ich werde mich garantiert nicht trauen sie zurück zu rufen. Und mit Ihnen über das Thema „Hausflur putzen – sie waren im Januar dran“ zu sprechen. Ich werde das ganz sicher nicht schaffen. Denn als es klingelte, ich die Nummer nicht sofort erkannte und mir dann bei der Vorwahl plötzlich mehrere Lichter aufgingen, habe ich den Kopf nur noch erschöpft an den Türrahmen lehnen können und darauf gewartet, dass es aufhört zu klingeln. Und das der Anrufbeantworter aufhört ihre Stimme zu präsentieren. Anschließend war mir dann schlecht und nun möchte ich mich am liebsten sehr tief vergraben. Aber das werde ich natürlich nicht tun (können). Ich werde dieses Gespräch ewig vor mir herschieben. Aber jeden Tag ununterbrochen daran denken. Ich werde irgendwann mit Ihnen reden müssen und Ihnen vermutlich nicht sagen wie schwer mir diese Gespräche fallen und wie gerne ich sie vermeiden würde. Warum sollte ich auch? Als ob es Sie interessieren dürfte, dass so etwas einfaches wie Hausputz nicht zu meinen Möglichkeiten gehört. Glauben Sie mir! Wenn das ganze mit 5€ im Monat zu erledigen wäre, ich würde einfach ein wenig mehr Hungern und wäre froh das Problem nicht mehr zu haben.

Doch ein wenig machen Sie mich auch wütend. Denn selbst wenn ich mir vieles sicher dazu dichte und etwas katastrophaler ausmale als es vermutlich sein wird, sie werden mir sowieso die Schuld geben. Selbst wenn ich sie darauf hinweise, dass die letzten beiden Tage hier jemand eingezogen ist und der Dreck einfach neu ist (oder zumindest sein könnte). Oder wenn ich Ihnen sage, dass ich heute gefegt habe. Dummerweise heute und nicht gestern. Aber heute war die Betreuung da. Eben nicht gestern. Aber gefegt wäre ja auch nicht genug und von daher ist es total hinfällig. Zumal da ja jetzt sowieso weiter eingezogen wird und man gleich überhaupt nicht sieht, dass ich gefegt habe. Wo steht eigentlich, dass ich das am Wochenende machen muss? Bestimmen sie das einfach? Dass ich da am Wochenende Zeit zu haben werde? Möglicherweise könnte es sie verwirren, aber an Wochenenden habe ich da meistens gar keine Zeit zu. Ich bin nämlich einfach nicht da. Was gibt Ihnen also das Recht sich über letztes Wochenende zu beschweren, wenn ich das doch heute tun wollte?

Warum genau regen Sie sich eigentlich auf? Habe ich nicht auch 2 Jahre+ Zeit um meine Aufgabe zu erledigen? So lange warte ich nämlich auf den Handwerker der die undichte Fuge am Schlafzimmerfenster abdichten soll, durch die fleißig Wasser in meine Schlafzimmerwand läuft die sich darüber natürlich sehr freut und eine feucht fröhliche Party feiern kann. Glauben Sie mir! Es ist hier nicht mit gescheit lüften getan, wenn die Wand vermutlich mehr flüssig als fest ist. Es ist nicht alles meine Schuld. Auch wenn sie davon fest überzeugt waren und der vermutlich vorher geimpfte Gutachter sie da auch sehr gut unterstützt hat. Also habe ich keine Schonfrist? Muss ich mich tatsächlich an Fristen und Abmachungen halten? Wie ungerecht.

Liebe Frau Hausverwaltung, wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr. (Edit:) Denn ich werde jetzt den ganzen Tag über nichts anderes mehr nachdenken. Werde vermutlich nichts mehr hinbekommen, weil ich die ganze Zeit daran denken werde, dass ich mit Ihnen reden muss. Werde hier den Monitor anstarren und nicht von der Stelle kommen. Werde mir wünschen, dass ich irgendjemand anderen vorschicken kann, was aber in diesem Fall nicht so wirklich gehen wird, weil Sie mich ja kennen und erkennen werden wenn jemand anders mit Ihnen spricht…

Manchmal würde ich gerne umziehen. Nur wegen Ihnen.

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