Nach dem 1. Termin vergingen jetzt knapp 2 Wochen. In der Zwischenzeit hatte ich zwei Punkte im Kopf die ich ansprechen wollte. Sie haben jetzt nicht mich beherrschend an mir genagt oder mich gänzlich aus dem Konzept gebracht. Aber es war hin und wieder die Frage da ob ich es ansprechen möchte. Gerade weil es hier ja um eine längerfristige Angelegenheit gehen sollte.

Zum einen: Wenn er etwas erklärt was ich schon weiß: Darf ich ihn dann unterbrechen und ihm das sagen? Das Gespräch vorantreiben oder um Vertiefung bitten?

Zum anderen: Warum sagt er mir, dass ich die Maßnahme nicht durchgehalten habe. Dass ich mit 3 Krankenscheinen (je ne Woche) das Ziel einer solchen Maßnahme („Durchhalten.“) nicht erreicht habe, wenn doch alle Welt vorher sagt: „Freuen sie sich über kleine Dinge. Sie haben den Vertrag erfüllt, ihn beendet. Sie waren nur krank. Sie haben nicht abgebrochen.“

Ich war mir bis vorhin nicht sicher ob ich das jetzt mache oder nicht. Ob ich mich trauen würde oder nicht.

Dann die heutige Situation. Ich komme an. 5 min zu früh. Wie immer. Er telefoniert. Ich werde per Kopfnicken ins Wartezimmer geschickt. Alles gut. Wenig später kommt er vorbei, sagt ich könnte schon mal rein, er rennt durch alle Zimmer und kontrolliert die Heizung. Soweit, so gut. Er folgt mir. Und erzählt mir, dass er die Heizungen kontrolliert, weil ist ja kalt, wenn er hier bis abends sitzt. Aber eigentlich würde er die gerne aus haben, aber es wäre ja eben kalt. Und die Klienten würden ja nach ner Stunde wieder raus sein und für die wäre es ja eh wärmer, weil sie von außen kommen. Nun ja… Und? Hat mich jetzt nicht so interessiert… Das ist an sich sehr irrelevant für den weiteren Verlauf, verdeutlicht aber ein wenig wie das ist, wenn er erst mal redet…

Er erläutert kurz was wir tun müssen – Papierkram – schnappt sich seine Notizen und fragt nach, ob ich noch etwas zu meiner Problematik ergänzen möchte. Ich nutze die Gunst der Stunde, diese quasi Aufforderung und bringe die beiden oben erwähnten Punkte an.

Mein Gedanke dabei: Therapie sollte ein miteinander sein. Ein konstruktives Gespräch. Mit Reibungen und Entwicklungen, aber kein Frontalunterricht, bei dem er spricht und ich ausführe. Aber möglicherweise ist das ein sehr naiver Ansatz von mir.

Mein Ziel mit der Aussage: Einen Weg finden um diese reibungsvollen Gespräche führen zu können, mit einem Kompromiss vllt. Mit Nachfragen von ihm, ob mir das und das Thema bekannt ist. Oder ähnlichem.

Daraufhin steht er auf, legt die Notizen weg und bricht die Therapie ab. Das würde nichts werden mit uns. Wenn man schon so früh persönlich werden würde, dann gäbe es dafür keine Grundlage und wir wären die gesamte Therapie damit beschäftigt unser Verhältnis zueinander zu klären.

Meine Gedanken dazu:
– Huch, wieso fühlt er sich so auf den Schlips getreten? Weil ich Kritik geübt habe?
– Na gut, wenn er das meint, dann bringt es wohl eh nichts. Ich werde nicht betteln.

Ersteres spreche ich an. Ob meine Kritik jetzt das Problem ist. Aber nein, das wäre es nicht. Seine 19 Jahre Berufserfahrung und sein Bauchgefühl raten dazu es zu lassen. Das könnte auch von ihm eine falsche Entscheidung sein. Vielleicht könnte man ja tatsächlich konstruktiv arbeiten, aber er möchte seinem Bauchgefühl vertrauen.

So weit. So gut. Ist seine Entscheidung. Ist völlig okay. Ehrlich. Das hat mich nicht vom Hocker gerissen. Es ist zwar jetzt nicht so wie ich das geplant hatte, aber hey… alles ok.

Doch was jetzt kommt lässt mich mit Kopfschütteln zurück.

Er fängt damit an, dass mehr hinter meiner Diagnose stecken muss. Dass es nicht damit getan sein kann, dass ich selbstunsicher bin, das würde nicht passen. Er würde Borderline-Anteile vermuten und geht von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung aus. Da wäre gewiss irgendwo Selbstverletzung. Ich frage erneut wie er darauf kommt. Er verweist auf das nicht passen von der ihm erzählten Geschichte und dem Ergebnis. Der Selbstunsicherheit. Ich frage mich – nicht ihn – ob er darauf kommt, weil ich eben kein Mäuschen bin die, die Schnauze hält sondern sage was ich denke, wenn ich von einem geschützten Rahmen ausgehe. Er erzählt weiter. Ich werfe noch das ein oder andere ein. Er fängt an mir zu erzählen was ich gerade denke. „Was für nen Arsch. Was soll das jetzt? Warum habe ich bloß was gesagt? Hätte ich doch mal die Klappe gehalten!“ Nichts von dem was er meint was ich denke stimmt. Das sage ich auch. Ich erkläre ihm, dass ich nicht mit so einer Reaktion gerechnet hätte. Aber hinter meiner Entscheidung stehe es ausgesprochen zu haben. Dass es okay ist, dass er abbricht, dass ich mich jetzt allerdings frage was für einen Therapeuten ich suchen soll. Wenn die „Kuscheltherapeuten“ (sein Vokabular!) zu kuschelig sind und die provokanten zu provokant. 

Folgenden Teil weiß ich jetzt nicht mehr genau anzusiedeln. Irgendwo im Gespräch kam er aber vor. Er fängt noch mal mit Borderline an. Oder vielleicht auch Narzissmus. Ich komme nicht dazu ihm zu erzählen, dass Borderline mehrfach ausgeschlossen wurde. Von Menschen die mich länger behandelt haben. Narzissmus ist neu. 

Möglicherweise habe ich hier eine Augenbraue hochgezogen. Sofern ich das kann. Ich bin mir nicht sicher ob ich das kann oder tue. Aber es fühlte sich so an. 😉 Ich weise ihn darauf hin, dass ich es sehr gefährlich finde jemanden abzulehnen, ihm dann ein paar mögliche neue Diagnosen an den Kopf zu werfen und ihn vor die Tür zu setzen. Er behauptet mir damit möglicherweise einen Gefallen zu tun, eine Grundlage für jemand anderen zu schaffen. Ich erwähne, dass ich jetzt dennoch gleich alleine bin, wenn ich da raus gehe und das nach wie vor unangebracht finde. Er kommentiert, dass ich schon wieder sehr bei meinen Gefühlen bin und sehr ich bezogen. Ich denke mir: Ja… um wen geht es denn hier gerade?

Ich sage, dass ich klar kommen werde. Ich bin bisher auch klar gekommen. Es hat einiges gescheppert in letzter Zeit. In mir. In meinem Kopf. Ich werde klar kommen. Ein Teil von mir glaubt das. Der andere ist ein wenig ratlos. 

„Ich möchte dann jetzt auch gehen.“

Er wünscht mir alles Gute. 

Und jetzt sitze ich hier. Ohne Therapeut. Das ist okay. Ganz ehrlich. Er hat so ziemlich die Bedenken bestätigt die mit den beiden Anmerkungen die ich an ihn hatte auch mitschwangen. Ich werde jetzt nicht persönlich und mir Gedanken über ihn machen. Wieso er bei ein klein wenig Gegenwind so extrem reagiert. 

Ich werde mir auch die neuen Diagnosen nicht annehmen. Ich bin gewiss nicht erst durch eine Diagnostik gelaufen. Ich könnte jetzt nicht mal sagen ob es nun eher 4 oder 5 waren. Ich stehe hinter der F60.6. Alles andere ist nicht haltbar. Und nur weil ich intelligent (pardon hochbegabt) bin und mir dessen bewusst bin. Und nur weil ich nicht alles als gegeben hinnehme und es wage anzusprechen was mich beschäftigt. Mich. In einer Therapie, bei der es um mich gehen soll. Werde ich mir keinen Narzissmus vorwerfen lassen.

Aber ja. Ich werde vermutlich trotzdem – obwohl ich das hier sage – jetzt sofort googeln welche Diagnosekriterien der Mist hat. Denn ich bin eine unsichere Persönlichkeit. Und wenn ein Therapeut – also eine gewisse Autorität – so etwas sagt, dann wird das nagen. Und dann? Dann wird das eintreffen was ich ihm mitteilen wollte: Er hat eine neue Portion Selbstzweifel los getreten. Und das ist und bleibt in meinen Augen sehr verantwortungslos, wenn man jemanden danach alleine vor die Tür schickt.

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