Um nicht in ewigen Zeitverzug zu kommen werde ich das jetzt hier ein wenig zusammenfassen und beschleunigen. Ich ignoriere also erst mal die 2. Sitzung und schreibe direkt über die beiden Aufgaben die ich bisher lösen „durfte“. Wie hier bereits erwähnt ging es ums Rad fahren.

Was ist das Problem mit dem Rad fahren? Nun ja, ich dachte bisher das größte Problem daran wäre meine Person auf dem Rad. Die diversen Problematiken hatte ich auch schon mal verbloggt. Ihr könnt das gerne nachlesen.

Nun war ich in der Zwischenzeit ja mal mit dem Rad und meiner Betreuerin unterwegs und konnte feststellen, dass ich Rad fahren immer noch liebe und mein Rad auch noch in Ordnung ist. Weitestgehend. Nur im dunkeln fahren wird schwierig, weil ich den Dynamo geschrottet habe. Langfristig würde ich gerne einfach alleine aufs Rad steigen und hinfahren wo auch immer ich hin will. Im besten Fall sogar mit dem Rad erst in die Bahn und dann zum See oder ähnliches. Ich hielt „Mit dem Rad einkaufen“ für eine leichte Übung. Die Schwierigkeit schien mir da beim Losfahren zu sein und die ersten Meter am Kiosk vorbei zu überwinden.

Ich war also irrsinnig nervös. Habe diese Aufgabe so weit wie möglich geschoben und sie im Endeffekt an dem Tag ausgeübt der mir die letzte Möglichkeit dafür bot. Denn am Laden vorbei, nach Hause und dann mit dem Rad zurück zum Einkauf erschien mir auch nicht so sinnig 😉 Nervosität äußert sich hier mit Herzrasen, Magen grummeln, ziemlichem Kontrollwahn, ob ich auch alles eingepackt habe und ähnlichem. Ich habe keine Ahnung wie oft ich geschaut habe, ob ich Geld, Radschlüssel und Pfand dabei habe. Ich war hektisch und ungeschickt. Habe ewig gebraucht bis die Satteltaschen auf dem Rad waren, mich dabei fast erschlagen, das Rad im Flur ständig gegen die Wand gefahren und auch nicht sonderlich schlau mit Türen hantiert… Da war die Fahrt dann fast schon lächerlich.
Was ich aber massiv unterschätzt habe: Die Angst vor Diebstahl. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich da in der Vergangenheit nur einen Gedanken dran verschwendet habe, aber jetzt war der Gedanke so massiv und präsent, dass es mir wirklich schlecht erging.
Von der Minute an in der das Rad vor dem Laden stand war ich ein Wrack. Nicht nur, dass ich Angst hatte, dass es umkippt und ich dann blöd aussehe, weil ich unfähig bin das Rad gescheit hinzustellen… nein ich war fest davon überzeugt, dass man es mir klauen wird. Weil es eben nur ein Speichenschloss hat. Das Ergebnis?
Ich habe noch nie so hektisch eingekauft. Bin durch den Laden auf der Suche nach dem kürzesten Weg, habe nur das nötigste gekauft und alles andere auf später verschoben. Mir zitterten die Hände, ich hatte einen Schweißausbruch nach dem nächsten, Herzrasen war Dauerzustand und an der Kasse wurde es dann wirklich mühsam aufrecht zu stehen. Flimmern vor den Augen, Schwindel, Angst davor umzukippen und mein Umfeld war nur noch ein einziger unscharfer Brei. Ich hab es irgendwie geschafft zu überleben. Mein Rad stand noch da. Aber es war ein einziger K(r)ampf die Satteltaschen wieder aufs Rad zu bekommen und dem ursprünglichen Plan nach dem Einkauf vllt. noch eine Runde zu drehen konnte ich beim besten Willen nicht mehr nachkommen. Ich war völlig hinüber und froh als ich zu Hause war. Und damit war das Drama ja noch nicht beendet. Ich musste ja auch drüber schreiben und die Situationsanalyse mit zur Besprechung zur Therapie nehmen. Vor dieser Besprechung hatte ich fast noch mehr Angst als vor dem Rad fahren und ich hab das Schreiben auch bis zur letzten Minute geschoben und erst ne Stunde vor der nächsten Sitzung gemacht. Über die werde ich aber noch gesondert schreiben.

Nun läuft ja bereits schon die nächste Woche. Weshalb ich schon wieder Aufgaben erfüllen durfte. Drei diesmal. Wobei ich nur über eine schreiben muss und ich mich da wieder für den Einkauf entschieden habe. Mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Mindestens 15min im Laden bleiben. Das musste ich diesmal schon zeitnah hinter mich bringen, weil ich nur an einem Tag Zeit hatte. Also bin ich am Freitag los und war sehr überrascht. Zu dem Zeitpunkt saß mein Besuch bereits hier, aber sie ist ja zum Glück groß und konnte sich selbst beschäftigen. Schlau wie ich bin hatte ich noch einen Schwierigkeitsgrad drauf gepackt und beschlossen die Fahrt zu nutzen um Altpapier zu entsorgen. Was ich mit dem Gedanken an den ersten Versuch ja fast schon als Wahnsinn verbuchen würde, aber das Papier steckte in der Tasche und ich wollte mir gegenüber nicht die Blöße geben und es wieder raus nehmen und die Tasche brauchte ich für den Einkauf. ^^
Ich war wieder nervös. Herzrasen. Magengrummeln, alles 10x kontrollieren. Das Übliche. Doch am Rad angekommen lief es schon wesentlich ruhiger. Der Weg zum Altpapier war ein Witz und der Weg zum Discounter auch. Diesmal hatte ich mich für einen anderen Laden entschieden, was aber einfach an den Angeboten lag und nicht am Standort. Der jetzt ausgewählte Laden hatte nicht mal einen Fahrradständer und ich musste es neben die Einkaufswagen stellen. Trotzdem habe ich mir erst irrsinnig spät Gedanken um einen möglichen Diebstahl gemacht. Erst mitten im Einkauf – den ich ganz ruhig anging ohne mich zu beeilen – fiel mir auf, dass ich gar nicht ans Rad gedacht hatte. Von da an schlich sich der Gedanke natürlich immer mal ein, aber ich war allgemein nicht unruhiger als generell bei einem Einkauf im vollen Laden mit 10 Leuten an der Kasse. Meine Hauptsorge galt dann mehr so der Einkaufsmenge. Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher ob ich das alles in die Taschen und den Rucksack bekommen würde und habe deswegen tatsächlich 2-3 Sachen weniger gekauft als ich hätte kaufen können. Im Endeffekt hab ich natürlich noch genügend Platz gehabt 😉

Es hat mich überrascht wie unterschiedlich das lief. Insgesamt war ich 1 Stunde weg. Ich hab vor dem Einkauf vergessen auf die Uhr zu schauen, aber ich bin wohl auf jeden Fall mehr als 15min in dem Laden gewesen. Und ab Mittwoch hab ich dann sogar ein gescheites Schloss, denn die liebe G. hat eines übrig. 🙂

Die Möglichkeiten die sich mit dem Rad ergeben (würden) sind großartig. Nicht nur, dass „Papier wegbringen“ ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit ist (bisher immer mit Betreuung, weil ich das Papier nicht durch die Straße tragen werde), sondern auch Sport, die Erleichterung vieler Einkäufe, mal weiter vor die Tür kommen… und so weiter… Schauen wir mal was da noch bei rum kommt… Vielleicht drehe ich beim nächsten Mal ja auch schon wieder durch… ^^

 

Advertisements