Ein Sonntagabend. Und ich versuche mit aller Macht dafür zu sorgen, dass es kein typischer Sonntagabend wird. Denn an typischen Sonntagen erwischt mich die Einsamkeit immer plötzlich hinterrücks und macht den Sonntag absolut unerträglich. Die Woche war anstrengend. Mein Augenlid zuckt seit Tagen durch und das völlig unabhängig vom Kaffeekonsum.

Zu viel gibt es gerade zu klären und zu viel muss gemacht werden. Morgen ist Therapie. Und es wird das erste Mal sein, dass ich meinem Therapeuten sagen werde: Entschuldigen sie, ich habe es nicht geschafft die Hausaufgaben zu machen. In meinem Kopf läuft sein gestern das Rechtfertigungsprogramm. Ich suche Gründe und Argumente, spiele die Dialoge durch und steigere mich ein wenig in die Angst hinein, dass er sagen könnte „So geht das aber nicht! Sie arbeiten nicht gescheit mit.“ Dumm nur, dass er genau das in der letzten Sitzung gelobt hat. Meine Intelligenz. Meine Bereitschaft die Hausaufgaben zu machen.

Teile meines Hirns konstruieren daraus ein „Siehste! Jetzt enttäuschst du ihn direkt“. Wobei es vermutlich normal ist, dass es nicht immer läuft. Zumal ich glaube, dass er eh auch ein wenig die Grenzen des machbaren ausloten wollte. Sehen wollte wie viel ich schaffen kann. Hinzu kommt: Ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich hab die verbliebenen zwei Aufgaben nicht nicht gemacht, weil ich nicht wollte, sondern weil ich nicht ohne Weiteres konnte. Seit Tagen schüttet es aus Eimern und nachdem ich zwei Tage am Stück im Regen unterwegs war habe ich mir das Recht heraus genommen nicht bei Sturm, Regen und Unwetterwarnung zum Markt zu fahren. Würde es morgen einen erreichbaren Markt geben, hätte ich das vllt. sogar noch vor der Therapie erledigt. Im Ernst, ich habe geschaut ob es einen Markt in der Nähe gibt der am Montag stattfindet und für den ich nicht einen ewigen Umweg fahren muss. Die zweite Aufgabe die ich nicht gemacht habe war die Recherche. Ich hab da einfach keinen Kopf für gehabt. Habe kurz mal was gegoogelt und die Seite dann wieder geschlossen. Aber hier fühle ich mich angreifbar. Wieso habe ich sie nicht gemacht?

Möglicherweise, weil ich erst mal eine wichtige Mail ans Amt schreiben musste.Weil mir niemand bescheinigen kann, dass ich ein halbes Jahr erwerbsunfähig bin und ich mich jetzt mit dem Amt auseinandersetzen muss wie es weiter geht. Nur schwer gelingt es mir, mich daran zu erinnern, dass sie mir noch nie aus irgendwas einen Strick gedreht hat. Nüchtern betrachtet wird sie entweder sagen „Holen sie sich alle 4 Wochen ihren Krankenschein, dann geht das schon.“ oder mir einen Termin beim psychiatrischen Dienst besorgen. Und ehrlich, eigentlich glaube ich, dass meine Argumentation gegen eine Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt hieb- und stichfest ist.

Dann muss ich mich um einen Reha-Sport-Platz kümmern und die Recherche hat mich schon dezent überfordert. So überfordert, dass ich dann jetzt zur Techniker persönlich gehen werde um mir vor Ort die richtigen Anbieter heraussuchen zu lassen. Was rein gedanklich auch schon wieder Stress ist. Genauso wie die Tatsache, dass ich zur Verlängerung des Krankenscheins an einem Montag zur Neurologin muss. Genau eine Stunde vor der Therapie. Ich habe keine Ahnung ob ich das zeitlich überhaupt schaffen kann. Aber Termin verschieben geht in beiden Fällen nicht. Der eine ist fix, der andere an den Ablauf vom Krankenschein gebunden.Ich kann höchstens mal nachfragen ob es einen Termin am Nachmittag gibt. Muss ich auch morgen organisieren.

Vor lauter Freude beim Einkaufen, hab ich mein Budget mal wieder grandios überzogen. Was solange kein Problem ist, wie ich jetzt wirklich die ganze Woche von Dr. Frost und meinen Einkäufen leben kann und nur Milch dazu kaufen muss. (Und Filterkaffee trinke, weil mir die Pads ausgehen, ich aber noch 2 Pfund Kaffee habe…). Immerhin wurde ich gestern genötigt meine Pizza nicht selbst zu zahlen. Danke dafür! :* Auch ließ man mir 4 Flaschen O-Saft hier und hätte mir auch 5 Flaschen Cola überlassen, wenn ich sie nicht abgelehnt hätte, weil sie sich so schlecht mit dem Diätplan vereinbaren lassen.

Insgesamt gibt es aber einfach viel zu klären und zu planen und einfach sehr wenig Ruhe. Noch dazu war zwischen der letzten Therapie (Mittwoch) und der nächsten (Morgen) auch keine ganze Woche Zeit. 2 Tage mehr hätten vermutlich gereicht.

Die Paranoia, dass ich mir die Bandscheibe zerstöre, wenn ich mich bewege verschwindet nur langsam. Zumal vorhin beim Krafttraining (Jawohl!) der Nacken weh tat. Nur vom Kopf gerade halten. Die Übungen selbst hatten mit dem Nacken nix zu tun. Aber ich habe es gemacht. Und im Endeffekt fühlt es sich gut an.

Noch ist die Einsamkeit nicht da. Zumindest nicht überwältigend. Und damit das auch gar nicht erst passiert, werde ich jetzt mit einem Buch in die Wanne verschwinden und danach direkt schlafen gehen. Die Woche wird nicht weniger anstrengend als die letzte. 

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