Und… wieder nicht geschafft. Und das ist jetzt so lange her, dass es auch schwierig wird mit dem dran erinnern, aber da wir uns ein wenig im Kreis drehen, wird es vielleicht gar nicht so schwer… 😉

Zunächst einmal: Die Therapie wurde bewilligt. Nachdem der Konsiliarbericht da war, war es ne Sache von insgesamt 2 Wochen. Die Techniker war unfassbar schnell und ich bin davon sehr begeistert. Wenn ich das jetzt gerade richtig gerechnet habe müssen wir uns dann etwa im November um eine Verlängerung bemühen. Und damit sind wir dann schon direkt beim Kernproblem… Ich plane. Ich schnappe mir den Kalender, zähle die Sitzungen ab und plane. Und dann machen mir die Pläne Angst, oder beruhigen mich. Aber in jedem Fall verzettel ich mich hin und wieder dabei…

So ging es mir mit dem Geld letzte Woche, obwohl ich eigentlich wusste, dass ich egal wie nicht verhungern werde. Im Endeffekt habe ich 2 Tage an nichts anderes gedacht, weil ich es dann auch einfach nicht ausblenden kann… *seufz*

So geht es mir mit der „drohenden“ Maßnahme vom Amt. Die gar nicht wirklich droht. Weil ich erst mal die Unterlagen fertig machen und einreichen muss. Dann dauert es 4-6 Wochen bis ein Termin bei dem Arzt angesetzt wird, der braucht Zeit für sein Gutachten und selbst dann habe ich ja noch Zeit die Maßnahme auch zu suchen. Ich muss ja nicht direkt am nächsten Tag anfangen. Mein lieber Therapeut rechnete mir dann vor wie lange das noch dauern würde und wie viele Wochen ich mir unnötig Gedanken machen würde und dass ich sie doch auch einfach sinnvoll nutzen könnte. Weiter machen. Jeden Tag. Aber nicht mit einem perfekten Plan im Kopf.

So geht es mir auch jetzt bei dem Gedanken, dass ich umziehen könnte. Sollte. Müsste. Da hängt so viel dran, dass es mich direkt schon überfordert und ich dazu tendiere es zu lassen. Statt einfach schrittweise daran zu gehen. Aber das hab ich noch nicht mit ihm, sondern nur mit der Betreuung besprochen und deswegen ist es hier eigentlich nur als Beispiel angebracht. 😉

„Sie können sich entscheiden. Jeden Tag. Jede Stunde.“

Entscheiden, ob ich mich meinem Schicksal ergeben will, oder etwas dafür tue da zu landen wo ich hin will. Auch wenn ich das im Moment mal wieder nicht wirklich weiß. Ich kann mich entscheiden. Auch nach jedem Frust. Ich kann mich entscheiden, nicht zu kochen, weil mir plötzlich auffällt, dass mir eine Zutat fehlt. Ich kann mich aber auch entscheiden spontan etwas anderes zu kochen. Nur Geduld. Die sollte ich wohl noch mit mir haben.

„Sie können nur das tun was in ihren Möglichkeiten liegt.“

Und Möglichkeiten sind eben nicht die Möglichkeiten, die mir mein Intellekt und meine Schulbildung offenbaren, sondern die Möglichkeiten die mir die Ängste und die Depressionen zulassen. Und gerade letztere sind in den letzten Wochen wieder sehr greifbar. Leider.

Bis heute hat er kein falsches Wort gesagt. „Ich wollte heute gar nicht kommen. Ich wäre lieber im Bett geblieben.“ – „Warum sind sie dann hier?“ – „Weil es kurzfristig zwar gut gewesen wäre. Aber nach 1,5 Stunden wäre der Ärger größer gewesen als das Nutzen.“ – „Find ich gut, dass sie trotzdem hier sind.“

Er liest mir seine Notizen vor, wenn ich danach frage. Nicht nur einmal musste ich dabei schlucken, weil es treffend zusammenfasst was ich denke. Oder weil ein Aspekt bei ist, der so „Meta“ ist, dass ich ihn bisher selbst gar nicht bemerkt habe. Ja, ich fühle mich immer noch gut aufgehoben. Und trotzdem ist und bleibt es anstrengend in sich selbst zu wühlen.

In den letzten Wochen sind die Aufgaben auf der Strecke geblieben. Ich führe meine Tagesprotokolle, aber es gab keine weiteren Aufgaben zu erfüllen. Einfach weil ich dafür gerade keinen Raum habe. Wobei das nur so halb stimmt. Denn manches mache ich einfach ohne es als Aufgabe zu betrachten. Ich war in der Sauna-Landschaft. Was aus so vielen verschiedenen Gründen eine Angstaufgabe ist, dass das eigentlich für drei Wochen reichen müsste. 😉
Am nächsten Samstag werde ich alleine auf die Extraschicht gehen. Viele, viele Menschen in vielen vollen Bussen und Bahnen. Aber ich werde alleine durch die Nacht fahren, weil ich das so möchte. Weil es mir lieber ist als Kompromisse beim Programm zu machen. Natürlich hab ich ein wenig Bauchweh beim Gedanken daran. Aber das wird schon gehen.

Geschickt hat er das Maßnahmen-Gespräch dazu umgeleitet, dass ich mir jetzt wieder einen Wochenplan erstelle. Einen an dem ich mich definitiv nicht detailliert halten soll. Einen Plan, der zwar da ist und eine Richtung vorgibt, der mich aber ausdrücklich nicht zur Selbstgeißelung veranlassen soll, wenn mal etwas nicht klappt. „Wenn sie von den 11 Punkten hier 7 machen, wären sie schon sehr gut. 4x die Woche Sport halte ich allerdings für wahnsinnig.“

Am heftigsten war wohl die Sitzung am letzten Montag. Es ging um Neid und Sehnsüchte. Um „ein guter Mensch“ sein. Und so wie in meinem Fall – laut ihm – um zu gut sein wollen. Fast die gesamte Sitzung habe ich geheult. Wurde immer mal wieder für meine Reflektionsfähigkeit gelobt und heulte weiter. Berappelte mich wieder und heulte als er mir auf Wunsch seine Notizen vorlas. Manche Schlüsselbegriffe reichen da im Moment schon aus. Ich erzählte von einer Nacht im Februar vor 2 Jahren. Er notierte sich was ich sagte, aber ich messe dem auch heute noch nicht so viel Bedeutung bei. Ich habe zu viel Hoffnung. Auch wenn es schwer ist daran festzuhalten. Auch wenn ich in den letzten Wochen immer wieder wegen Kleinigkeiten heulend zusammen breche.

Einen roten Faden sucht man in diesem Artikel vergeblich. Aber den hab ich im Moment auch nicht. Ist also wohl echt authentisch, ey. (Aus hier nicht wirklich erklärbaren Gründen, werde ich „authentisch“ wohl nie wieder nutzen können ohne mich darüber zu amüsieren.)

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