Über die Therapie wollte ich schreiben. Darüber, dass ich gestern insgesamt 7 Stunden durchgeheult habe. Übers Angeschlagen sein. „Ich habe das Gefühl gegen Windmühlen anzurennen.“, sagte ich gestern zum weltbesten Therapeuten. Irgendwie überstand ich den Tag. Irgendwie wollte ich den heutigen Tag überstehen. Und dann eröffnet mir meine Betreuerin, dass sie beim Gedanken über den Hilfeplan zu dem Schluss gekommen ist, dass sie mir nicht mehr helfen kann und glaubt dass ich keine Betreuung mehr brauchen würde. Sie wüsste nicht, ob es wirklich noch nötig wäre, dass jemand dafür bezahlt wird zu mir zu kommen um mir zu helfen. Vermutlich hab ich sie nicht halb so verständnislos angesehen wie ich gesollt hätte.

Ich erinnere mich daran wie es hier aussieht, wenn die Betreuer alle im Urlaub sind. Erinnere mich an die vielen angebrochenen Dinge die mich in den nächsten Monaten erwarten. An die Hausverwaltung. An eine eventuelle Maßnahme. Daran, dass das Schlafzimmer immer noch aussieht wie frisch nach dem Einzug. Denke daran, dass wir seit Wochen immer nur wieder den Ursprungszustand herstellen, nie aber ein Stück weiter kommen. Sehe wie fertig ich mit den Nerven bin.

Und sie spricht von den vielen Ressourcen die ich habe. Vom Netzwerk um mich herum, davon, dass ich mir meinen Therapeuten eigenständig gesucht habe. Sie nimmt mein „Ich hab gerade geputzt und mich danach gewundert wie schnell das ging.“ zum Anlass mir zu sagen, dass ich das ja auch eigentlich kann. Und lässt dabei absolut außer Acht, dass ich theoretisch alles kann. Theoretisch müsste das hier nicht so aussehen wie es aussieht. Theoretisch bin ich intelligent und wortgewandt genug meine Hausverwaltung an die Wand zu quatschen. Aber darum geht es doch gar nicht. Was bringen mir 100 Ressourcen, wenn ich nicht in der Lage bin sie abzurufen wenn es verlangt wird. Ob ich denn den Rest meines Lebens von Ihnen abhängig bleiben wollen würde. Ihnen wäre es ja egal. Aber das könnte ich doch nicht wollen.

Wenn ich nicht so ratlos wäre, dann wäre ich wohl wütend. Ich weiß nicht wie sie sich das vorstellt. Und ich frage mich ob ein „Sie kann mir nicht mehr helfen.“ gleichbedeutend mit einem „Ich brauch keine Betreuung mehr.“ sein muss. Ich möchte G. zurück. Oder D. Aber vor allem weiß ich nicht wie es weitergehen soll, wenn das jetzt einfach so wegbricht. An einem Punkt an dem für mich so viel in der Schwebe hängt.

Weil sie nicht weiter weiß soll eine Kollegin mit auf den Fall – also mich – drauf schauen. Nächste Woche Mittwoch.

„Mach dir keine Gedanken bis dahin.“, sagt sie zum Abschied. Für mich sagt dieser Satz alleine aus wie wenig sie von mir weiß. „Mach dir keine Gedanken. Ich hab gerade nur eine deiner wichtigen Stützen weggerissen. Aber du packst das schon.“ Natürlich. Wie immer.

Und Gundula? Ich hab deinen Kommentar gelesen. Danke. Ehrlich. Ich hab nur auch schon ewig keinen mehr beantwortet. 

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