Berlin ist magisch. Das habe ich so in den letzten Tagen immer mal wieder gesagt. Für mich ist Berlin magisch. Und das Gefühl lässt auch nicht nach. (Ich bin ja auch schon endlos lange wieder zu Hause ^^)

„Du kannst in Berlin untergehen.“, sagte der weltbeste Mann am Montag zu mir. Derselbe Mann der mit leuchtenden Augen über den Alexanderplatz marschierte und seine Rückkehr schon plant.

Du kannst in Berlin untergehen.
Berlin ist keine Stadt in die ich ziehen wollen würde, wenn ich dort niemanden kennen würde. Berlin würde mich verschlucken. Einatmen. Und vermutlich nicht mal wieder ausspucken. Ich könnte untergehen und niemanden würde es interessieren. Berlin ist riesig. Atemberaubend.

Du kannst in Berlin untergehen.
Niemanden interessiert ist wie du bist und was du tust. Während ich mich hier ständig angestarrt fühle – obwohl mir alle sagen, dass der Pott doch auch sehr locker ist – verschwindet man in Berlin einfach in der Menge. „Du kannst nackt über den Alex rennen und niemanden interessiert es.“ Es ist unbeschreiblich wie frei man sich fühlen kann… wenn einfach „nur“ die Angst vor dem angestarrt werden von den Schultern fällt.

Und natürlich habe ich auch in Berlin Angst gehabt.
Angst davor alleine auf der Party zu sitzen, weil der Gastgeber nun mal Gastgeber sein muss. So viel Angst, dass ich nach 5 min überlegt habe wieso ich eigentlich keine wasserfeste Wimperntusche besitze. (Sollte ich dringend ändern…denn ich habe mehrfach auf der Party angefangen zu heulen. Trotzdem war es keine schlechte Party. Trotzdem war es ein Stück weit freier als hier.)
Ich hatte Angst die Kneipe beim Slam zu betreten. War kurz davor umzudrehen und hab es dann doch nicht gemacht, weil ich fast ne Stunde hingebraucht habe. 😉 Bin auch im dunkeln durch die Stadt (zumindest einmal), weil ich mir den Slam vorgenommen hatte.
Natürlich hatte ich auch in Berlin meine Entscheidungsschwierigkeiten. Habe Dunkin‘ Donuts betreten und bin ohne Entscheidung wieder raus. (Hab mir dann am Abend aber an einem ruhigen Stand einen geholt.)
Klar, habe ich mich auch in Berlin selbst zerfleischt. Weil ich nur einen Bruchteil von dem geschafft habe was ich mir vorgenommen habe. Habe mich gefragt ob ich wirklich einen Sonntag nichts tun darf, obwohl ich doch so viel vor hatte.

Aber im Endeffekt war alles ein Stück weit leichter. Einfach weil niemand geschaut hat. Weil sich niemand über mich gewundert hat. Weil man untergehen konnte.

Klar, war es auch ein Stück weit „frei“ und „leicht“, weil ich mir nicht groß Gedanken ums Geld machen musste. Selten hab ich meinen Kaffee selbst bezahlt und mein Umfeld war unfassbar bemüht mir alles so schön wie möglich zu machen. War es an der einen Stelle die freie Bedienung am Kühlschrank, war es an der anderen Stelle die Einladung zum Frühstück. Natürlich ist Berlin anders, wenn man sich nicht einfach jeden Tag außer Haus das Frühstück leisten kann. Natürlich wäre auch Berlin anstrengend, wenn ich da einkaufen müsste.

Aber ich könnte untergehen. Sein wie ich bin. Ohne dass es jemanden stört. Weil ich vermutlich nicht mal eine der verrücktesten wäre. Neben einem Mann im Biberkostüm oder einem im rosa Tutu mit Engelsflügeln, würde ich einfach so gar nicht auffallen.

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