„Ich weiß, dass ich es vor ein paar Monaten als Ausrede genommen hätte um alles absagen zu können. Das ist mir durchaus bewusst.“

Sage ich, nachdem ich mich darüber ausgekotzt habe, dass mein Geldbeutel momentan irgendwo im Nirgendwo mit der Post unterwegs ist und ich gerade noch 3,61€ besitze. Ich lasse mich eine Weile darüber aus, was man jetzt alles nicht mehr so machen kann. Wie ein Arztbesuch ohne Krankenkassenkarte aussieht (Beim Arzt anrufen (Telefonat Nr.1), bei der Krankenkasse anrufen (Telefonat Nr. 2), zum Arzt gehen und dann hoffen, dass das Fax auch angekommen ist), wie blöd es ist Zeit in einer Bibliothek totzuschlagen das Buch schon in der Hand zu haben und dann zu merken, dass man keine Karte dafür hat. Ich lasse mich darüber aus, dass ich schlecht Wäsche waschen kann, wenn ich nur noch einen Tropfen Waschmittel habe, dass mir die sauberen Klamotten echt ausgehen (vor allem, wenn man zwei Tage hintereinander Sperrmüll rausschleppt… und sich alles versaut… Ja ja.. wäre schlau gewesen immer dasselbe zu tragen.. mir klar. ^^), dass ich jetzt knapp 10€ für 4 Fahrten ausgegeben habe und das nur kann, weil es Handytickets gibt! Ein Hoch auf Handytickets! Ich jaule noch ein wenig darüber, dass das Geld echt knapp ist und ich noch nicht weiß wie ich zur Tafel kommen soll, diese bezahle und ob ich die Diskussion darüber, dass mein Geldbeutel auch die Tafelkarte beinhaltet und jetzt eben nicht da ist, auch verkrafte. Ich lenke mit allen Mitteln davon ab, dass ich selbst gesagt habe: „Oh.. ein Fortschritt.“ Ich lenke davon ab, dass ich ihn selbst bemerkt habe. Und erzähle lieber vom Urlaub. Der weltbeste Therapeut amüsiert sich prächtig… grinst… nickt… macht sich Notizen, liest mir die auf Nachfrage – wie immer – vor und verbessert an einer Stelle einen Ausdruck mit dem ich nicht einverstanden bin. ^^

Ich sitze ziemlich aufgedreht und müde bei ihm. Sehe wie müde ich bin. Sehe, dass ich mein Frühstück zu Hause vergessen habe und jetzt bis Nachmittags nichts essen werde, weil ich ja nun mal kein Geld habe um zwischendurch kurz was zu holen… Bemerke wie durstig ich bin und dass ich eigentlich einfach nur ins Bett möchte. Ich bemerke, dass ich ein wenig Angst vor Mittwoch habe. Weil einfach noch nicht klar ist wie das mit der Tafel läuft. Ob überhaupt. Weil auch Handytickets irgendwann – nächsten Monat – bezahlt werden müssen und ich mir da nicht endlos viele leisten kann… Ich denke daran wie unglaublich schlecht es mir am Samstag ging. Kurz nachdem ich bemerkt habe, dass mein Geldbeutel jetzt in der Eifel ist. Und ich hier. Wirklich, wirklich schlecht. Ich-krame-das-alte-Schlafmittel-von-2012-aus-dem-Schrank-und-stelle-fest-dass-es-bis-2015-verwendbar-ist-raus-schlecht. Ich verdränge die Angst, dass der Geldbeutel (Normalerweise würde ich das P-Wort verwenden, aber dafür müsste ich googeln… ihr wisst schon.) verschütt gehen könnte. Verdränge den Gedanken daran was dann alles auf mich zu kommt und ich schaffe es das erste Mal wirklich sehr erfolgreich… nur an den nächsten Schritt zu denken.

Und während ich all das bemerke und so unfassbar müde bin… erzähle ich dem Weltbesten, dass ich wieder gezockt habe. Dass ich zwar unglaublich gut funktioniere, aber mich die meiste Zeit selbst nicht denken hören möchte. Kann. Will. Es nicht ertrage. Und deswegen wieder WoW spiele. (Und darüber nachdenke wie ich das ab Sonntag finanziere… die 10€ die ich jetzt in Bahntickets investiert habe.. die wären dafür ganz praktisch gewesen ;)) Ich erzähle ihm aber auch, dass ich insgesamt 6x telefoniert habe. (Nr. 3: Vodafone. Die mich anriefen, nachdem man mich auf den Twitterservice geschubst hat. Krass schneller Service.
Nr. 4: Orthopäde zwischen Tür und Angel, als ich eigentlich schon auf dem Sprung war. Nr.5: Badminton-Platz für nächste Woche reservieren.
Nr 6: Kulturloge. Die mich anriefen und mir Theaterkarten für das Theater Courage vermittelt haben. Am Sonntag. Ich freu mich drauf! 🙂 )

Ich erzähle ihm davon, dass ich alleine den Sperrmüll rausgestellt habe. Und heute dann Hilfe dabei habe. Erzähle, dass ich beim Arzt gewesen bin und dass ich heute vorhabe schwimmen zu gehen. Eben die Termine die ich vor Monaten dann einfach abgesagt hätte. Weil die höhere Gewalt das ja scheinbar so wollte. Er ist stolz. Ich lenke ab.

Ich wechsel das Thema und schwenke wieder zu vor zwei Wochen zurück. An den Punkt an dem er meinte, dass wir schauen müssen wie wir weiter machen. Im Urlaub habe ich mir alle meine Therapieunterlagen genommen und herausgeschrieben was ich noch mal beleuchten möchte. Habe mir notiert was ich wieder aufnehmen möchte (Tagesprotokolle, Situationsanalysen) und dass er mich auch bremsen soll, wenn ich zu sehr ablenke. An der Stelle muss ich selbst lachen.

Abschließend hat er mir ein Angebot gemacht. Die Aussicht auf einen kleinen Mini-Bürojob. Einfach um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann. Quasi ein Mini-Praktikum. Ich verbleibe etwas verwirrt und werde darüber nachdenken. Es reizt mich. Ziemlich. Aber wie das funktionieren soll? Keine Ahnung. Ich verbleibe verwirrt. Lenke ab.

Aber ich weiß, dass ich die letzten Tage wirklich viel geleistet habe. Echt jetzt.

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