Es gab eine Zeit in der ich an uns geglaubt habe. Daran dass zwei kaputte Menschen sich gegenseitig vervollständigen können. Sich zusammenkleben, weil sie besser als jeder andere verstehen wo der jeweils andere gekittet werden muss und welche Wunde einfach atmen muss. Welche Wunde von der Zeit geheilt wird.

Dann… später… bekam diese Zuversicht Risse. Als ich gemerkt habe, dass du in viel mehr Teile zersprungen bist als ich. Dass deine Teile so viel schwerer sind als meine und dass ich sie nicht alleine würde heben können. Als ich gemerkt habe, dass du mir dabei helfen musst. Dass du deine Teile selbst hochheben musst, damit ich sie zusammenkleben kann. Da fing ich an zu zweifeln.

Doch die Zeit verging und je mehr Zeit verging und je häufiger man sich irgendwie wieder zusammenrappelte und je häufiger ich deine Stimme hörte, desto mehr hoffte ich, dass wir das irgendwie hinbekommen. Zusammen.

Ich war bereit über so viele Schatten zu springen. Ich rief dich an. Immer wieder. Einfach so. Nur selten kam ich durch. Meistens hat Murphy mich gehasst und einen neuen Anlauf gefordert. Ich gab nicht auf. Und rief dich an.

Mehrmals hatte ich die vollständige Verbindungsübersicht schon vor mir. Mehrfach hatte ich schon durchgerechnet wie ich es mir leisten könnte dich zu sehen. Auch für mich kurzfristig. Durchgerechnet wie ich es mir leisten könnte dich häufiger zu sehen. Falls das erste Treffen so gut sein sollte, wie du mir immer wieder erzählen wolltest. Und ja, ich glaube dir, dass du daran wirklich geglaubt hast. Ich glaube dir, dass du davon wirklich überzeugt warst. Und ich glaube dir auch, dass es dir nicht gut geht. Dass du deine Sorgen und Probleme hast. Genauso wie ich meine Sorgen und Probleme habe. Wie das im F-Diagnosen-Land nun mal so ist.

Doch ich bin so oft über meinen Schatten gesprungen. Für dich. Für uns. Immer wieder. Und du? Du hast es nicht mal versucht. Du hast es nicht mal bemerkt. Du hast nicht gesehen wie viel Mühe das für mich war. Wie viel Arbeit und wie viel ich in uns investiert habe. Für dich zählte nur, dass es immer noch nicht zum Erfolg geführt hat. Dass ich immer noch nicht bei dir war. Denn „Dann,“ so sagtest du „dann wird alles besser.“

Du hast nicht gesehen, dass es besser geworden wäre, wenn du mir nur einmal entgegen gekommen wärst. Ein einziges Mal. Du hättest nur einmal sagen müssen „Ja, das in drei Wochen. Das geht klar. Ich bin zwar sonst mehr so der Spontane und Planen find ich eher blöde, aber hey… für uns mach ich das mal.“ Ein. Einziges. Mal. Dann, ja dann… wäre alles vllt. gut geworden. Dann hätte man sich gesehen und vielleicht hätte man sich angesehen und es wäre alles schön gewesen. Vielleicht hätte man sich aber auch angesehen und hätte nach der nächsten Bahnverbindung gesucht. Es wäre aber klar gewesen. Eine Entscheidung.

Doch du hast erwartet, dass ich all meine Scherben alleine trage. Dass ich sie mir unter den Arm klemme, damit über alle Schatten springe die ich finden kann und zu dir komme. Um dann dich zusammen zu kleben. Mit meinen Scherben unterm Arm, den Schatten im Rücken und ohne meine gesamte Energie. Denn die, die ist auf der Reise verloren gegangen. Die ist verloren gegangen als ich versucht habe an uns zu glauben. Und sie ging verloren als ich so häufig versucht habe deine Scherben einfach Scherben sein zu lassen und mich um meine eigenen zu kümmern. Weil du nur geredet hast. Darüber wie man Scherben zusammensetzt. Geredet mit dieser Stimme, die einen einfach nur betäubt und einschlafen lässt. Eine Stimme die einen so in Trance versetzt, dass die eigenen Scherben so leicht erscheinen. Aber nur kurz. Bis du aufgelegt hast, für Wochen nichts mehr gesagt hast und danach plötzlich wieder da warst und so getan hast als wäre alles in Ordnung. Als wäre nichts passiert. Danach war alles nur noch schwerer, ich habe mir gewünscht, dass deine Scherben nicht meine Sorgen sind und dass ich sie und dich einfach ignorieren könnte. Sollte sich doch jemand anders darum kümmern.

Doch immer, wenn ich mich gerade damit abgefunden hatte. Mich damit arrangiert hatte, dass die Zeit in dich einfach nur verschwendet war, und dass du nicht derjenige sein wirst, der mich zusammensetzt, dann warst du wieder da. Versetztest mich in Trance, schwiegst für ein paar Wochen, und tauchtest irgendwann mal wieder auf.

In den ganzen 1,5 Jahren hast du nicht verstanden worum es mir ging. Hast nicht erkannt wie ich dich angefleht habe mir entgegen zu kommen. Hast nicht verstanden wie sehr es mich zersetzt, dass du mal da bist und mal nicht. Du hast nicht verstanden wieso du derjenige bist der mir so viel Energie raubt. Keinen Fehler bei dir gesucht. „Wenn du einmal spontan wärst… wäre alles so einfach.“

„Mach’s gut.“ Schrieb ich vor Wochen und bekam ein „Leb wohl.“ zurück. Ich war stolz auf mich. So stolz mich gelöst zu haben. Deine Scherben vor deiner eigenen Tür abgelegt, meine in der Hand und die Schatten zwischen uns. So stolz. Immer solange bis ich plötzlich wieder an dich dachte. Bis ich daran dachte „Das musst du ihm erzählen!“ und zum Telefon greifen wollte. Es dann aber nie tat, weil ich deine Nummer ja sowieso gelöscht hatte. Immerhin wollte ich es richtig machen. Immer mal wieder, wenn ich alleine war und nicht schlafen konnte… „Wäre schön jetzt mit ihm zu reden.“ Stimme hören. Trance. Einschlafen. Alles einfach. Und ich war oft alleine. Und ich konnte oft nicht schlafen und es gab da auch niemanden der deinen Part übernehmen konnte. Die ganze Zeit nicht.

Und heute dann… schreibst du mich an. Als wäre nie etwas gewesen. Verstehst nicht wieso ich dich dann doch blockiere, versuchst mich anzurufen, schreibst mir eine SMS und gleichzeitig eine Nachricht im Chat. Ich gebe nach, knicke ein, antworte dir noch ein allerletztes Mal – so hoffe ich – und nehme Stellung. Doch dann die Zweifel. Ist er das jetzt wirklich? Oder blockierst du noch wen anderen? Nicht dass du jetzt jemandem vor den Kopf stößt, der es nicht verdient hat. Und ich rufe dich an. Nur um sicher zu gehen. Und verbleibe als ein Wrack zurück. Weil deine Stimme mich von den Füßen reißt, ich zu Boden falle und in 1000 Teile zersplittere.

Du hinterlässt Scherben. Du hast nichts geklebt. Und ich bin ganz umsonst gesprungen.

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