Hab ich ihm heute etwas zu erzählen? Mir fiel nicht viel ein, als ich gestern im Bett lag und mal wieder nicht sofort einschlafen konnte. „Vielleicht hätten wir ja doch Pause machen sollen.“, dachte ich mir noch so.

Angekommen, redeten wir dann über meine „Zwangsfreundin“, mit der ich so mehr oder weniger zusammengebracht werden soll(te), weil Betreuer offensichtlich einfach jedem Betreuten auch Sozialkontakte andrehen wollen, und wie ich mit der Situation umgegangen bin. Dass ich mich trotz schlechtem Gewissen nicht auf ihre Zeit eingelassen habe, sondern das klar gemacht habe, was ich für mich am sinnvollsten erachte und somit einfach schon alleine vorher schwimmen gehen würde. Und dass ich mich auch nicht auf Smalltalk eingelassen habe, weil ich eben nur mit ihr den Termin absprechen wollte.

Wir reden über Medikamente- und Therapieverweigerer und warum ich keine weiteren erkrankten Freunde im direkten Umfeld brauche und möchte. „Die Freunde, die ich jetzt habe. Die sind großartig. Und da sind auch genug Erkrankte bei. Aber mich mit noch mehr Krankengeschichten auseinander setzen? Nein, möchte ich nicht.“ Wir reden über Arroganz & Hochmut. Über altruistische Anwandlungen, die man auch nur hat um sich selbst gut zu fühlen und darüber, dass nicht jeder Mensch einem etwas bringt und das auch gar nicht so sein muss. Beziehungen jeder Art sind ein Geben und Nehmen und manche Leute können einem einfach nichts geben. Und jetzt wo ich das hier schreibe klingt das auch wieder unfassbar arrogant. Aber warum soll ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn man nicht wirklich etwas gemeinsam hat? Warum soll ich einen Kontakt ausbauen, wenn es dafür keinen Grund außer einem schlechten Gewissen gibt?

Wir springen ein wenig durch die Themen – reden ausnahmsweise mal nicht über Bücher – zwischendurch verliere ich den Faden und tue das auch jetzt wieder beim Schreiben. Irgendwann landen wir bei Entwicklung. Die Frage, ob ich  mich in den letzten 5 Jahren weiterentwickelt habe. „Sicher haben sie das. Ich habe das jetzt nur ein halbes Jahr (mehr so 3/4….)  verfolgt und sehe viele Fortschritte.“ Sitzung ist längst vorbei. Wir überziehen 10 Minuten. „Und nun?“ Meine Frage, sein Blick auf den Terminzettel. „Sie sind noch längst nicht fertig. Ich verlängere sie auf 80 Stunden. Damit sind sie dann die erste bei der ich das mache.“ Ich bin verwundert. Und erleichtert. „Sind wir denn schon so weit?“ (Ja, ich konnte mich in der Sitzung nicht daran erinnern, was ich hier so als Überschrift schreibe.) Und dann bin ich wieder sehr verwundert. Jetzt so mit Blick auf die 35. Da oben. „Nein, erst mal kommen die 60…“ Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wie viele wir im Moment bewilligt haben. 45? Und wieso spricht er jetzt schon von 80? Aber gleichzeitig sichert mich das auch ab. Denn sind wir mal ehrlich… 10 Wochen sind keine 3 Monate… weitere 15 sind auch nur knapp 3 Monate. Und damit wäre das Jahr dann auch noch nicht rum… Es verwirrt mich trotzdem.

Wir machen Witze über den Bibliothekar. „Wohnen sie hier in der Nähe? Haben sie da ne Kaffeemaschine? Ich hab zufällig Kuchen in der Tasche.“ Hatte ich wirklich.

Vielleicht spreche ich ihn ja irgendwann mal an.

Doch heute bin ich nach der Therapie direkt in den Bus gestiegen. In den falschen. Musste dann ungeplant umsteigen und ungeplant in der Bahn frühstücken. In. Der. Bahn. Frühstücken. Stehend. Wo ich früher nicht mal vor meinem Freund essen konnte, weil ich Angst hatte mich zu bekleckern. Es fühlte sich merkwürdig an, aber ich habe es getan.

Im Bus öffnete meine Tür nicht. Und ich habe mich laut beschwert. Mehrfach gerufen. Bis er die Tür öffnete. Es fühlte sich kurz merkwürdig an, aber draußen verschwand das Gefühl sofort wieder. Früher wäre ich eine Haltestelle weiter gefahren und hätte so getan als wäre das immer so geplant gewesen.

Im Schwimmbad angekommen fällt mir auf, dass ich meinen Hartz-4 Bescheid vergessen habe. Und was viel schlimmer ist (bzw. mir so erschien): Ich hatte kein Bargeld in der Tasche, geschweige denn nen Euro für den Spind. Also bin ich an die Kasse gegangen und habe meine Probleme geschildert, meine Ermäßigung trotzdem bekommen und einen Euro geliehen bekommen gegen Pfand für meine Karte. Früher wäre ich wohl umgedreht und nach Hause gefahren. Oder hätte mir einen Geldautomaten gesucht und Geld abgehoben um mir den Euro wechseln zu können.

Im Bad selbst bin ich mit meinem MP3 Player rumgelaufen als wäre es das normalste auf der Welt. Letzte Woche war mir das noch unangenehm. Das Teil blinkt nämlich orange wenn es an ist. Heute wurde ich mehrfach darauf angesprochen, alle fanden es großartig und ich auch. Ich wollte einen flammenden Artikel über den Player schreiben, doch in Bahn 3 fiel er aus und ich hoffe es liegt nur am Akku. ^^

Der Schwimmgruppe habe ich Kuchen mitgebracht (irgendwer muss das ja essen… ^^), mit der Betreuerin M. darüber geredet, dass ich mal zum Probetauchen kommen soll bevor ich mir die Tauchtauglichkeit bescheinigen lasse. (Jetzt fällt mir auf, dass ich euch das noch gar nicht erzählt habe… ^^) 20 Bahnen bin ich geschwommen. Große.

Ich habe die Zeit mit der Zwangsfreundin ganz gut gemeistert denke ich. Und wir haben überraschenderweise mehr Gemeinsamkeiten als gedacht und sie ist auch nicht ganz so blöd wie ich vermutet habe. Dennoch möchte ich es auf das Schwimmen beschränken und nicht noch zum Nähen meines Mantels mit in ihre Wohnung. Das hat sie nämlich angeboten… *seufz* Aber vermutlich werde ich auch das irgendwie hinbekommen.

Ja. Läuft. Solange ich ignoriere was alles nicht läuft. 😉

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