Ich bin still geworden in den letzten Tagen. Habe nicht gebloggt. Habe das zarte Pflänzchen von Erstkontakt in einer Community genauso vernachlässigt wie Twitter. Habe mir die meisten Tweets verkniffen, habe innerlich laut geschrieen, bin aber nach außen ruhig geblieben. Weil mir die Worte fehlen. Weil ich das alles was da gerade so passiert so unfassbar finde.

Dienstag, da wollte ich meinen Therapie-Artikel ganz normal schreiben und war abends dann einfach so müde und als ich es dann am Mittwoch morgen tun wollte, da fiel mir auf, dass ich Therapie hatte während da draußen bekannt wurde, dass da ein Flugzeug abgestürzt ist. Und alles kam mir so klein und nichtig vor, obwohl es für mich in meinem kleinen Kosmos nicht klein und nichtig war. Aber so im Großen und Ganzen gesehen ja eben doch.

Da sterben 150 Menschen und ich freue mich darüber, dass es mir egal ist, wenn ich den Bus verpasse. Da sterben 150 Menschen und ich feiere mich selbst, weil ich 30 Bahnen geschwommen bin. Und ja, ich weiß, dass ich das darf. Mein Leben geht weiter. Ich darf mich freuen. Denn ich werde weiter leben. Und klar kommen. Hoffentlich noch sehr lange. Es ist okay, dass ich mich freue. Es ist aber auch genauso verständlich, dass viele Satireshows diese Woche nicht gesendet haben. Vielleicht fehlen ihnen genauso wie mir einfach die angemessenen Worte.

Drei Tage habe ich gebraucht um zu merken warum es mir so schlecht geht. Drei Tage um zu erkennen, dass in meinem Leben gerade alles ganz gut läuft und ich trotzdem das Gefühl habe schwer depressiv in einer Ecke zu liegen. Drei Tage um zu erkennen, dass dieses erdrückende Gefühl einfach nur pure Hilflosigkeit und blankes Entsetzen ist.
Ein abgestürztes Flugzeug mit 150 Toten, bei denen ein Großteil aus meinem Bundesland kommt (Ja… egal woher es sind Menschen, aber aus dem eigenen Bundesland ist näher dran und macht einem selbst bewusst wie nah es ist.), ein nicht zu verachtender Teil aus Kindern besteht (Ja ja.. egal wie alt.. es sind Menschenleben… aber verdammt noch mal die Kinder hatten so viel mehr Leben vor sich und mit dem Leben noch gar nicht wirklich angefangen… da finde ich das dann doch einfach schlimmer, als wenn jemand mit 80 bei nem Flugzeugabsturz stirbt.)  und es in meiner Timeline vereinzelt Menschen gibt, die jemanden kennen, der da hätte mitfliegen sollen (Und es zum Glück nicht getan hat…), hat mich verstört. Schon bevor deutlich wurde, dass es vermutlich kein Unfall war, war ich neben der Spur. Einfach weil es so nah dran war. Doch der Umstand, dass der Co-Pilot die Maschine vermutlich absichtlich gegen die Felswand gesteuert hat (Auswertung des Stimmrekorders) und am Flugtag gar nicht hätte arbeiten dürfen hat mich ein wenig aus der Bahn geworfen. (Mein Galgenhumor würde jetzt gerne Flugbahn sagen, aber dann muss ich mir sicher anhören was ich für ein böser, böser Mensch bin.)

Ich bin sprachlos, weil ich es nicht verstehe. Weil ich Depressionen und Suizidabsichten kenne, aber mir unter keinen Umständen erklären kann wie man so abschalten kann, dass man in Kauf nimmt 149 andere zu töten. Ich verstehe es einfach nicht. Und ich habe kein Verständnis für den Co-Piloten. Doch in meiner Timeline gibt es Menschen die das verstehen. Ich verstehe es genauso wenig, wie die Menschen die vor einen Zug springen und dabei „nur“ den Lokführer traumatisieren. Die Option, dass der Co-Pilot einfach 149 Leben auslöscht und damit 149 Familien in Chaos stürzt übersteigt meine Vorstellungskraft und nimmt mir die Worte.

Als wäre das nicht schon genug, sorgt die Berichterstattung gewisser Medien für noch mehr Sprach- und Fassungslosigkeit. Im Ernst? Den Namen direkt veröffentlichen? Fotos unverpixelt? Vom Co-Piloten, seinem Elternhaus und von Angehörigen? Menschen direkt nach dem Unglück Geld bieten um ein Interview zu geben ohne den Hauch von Anstand, Respekt und Empathie? Ehrlich? Ihr seid zum Kotzen.

In mir brodelt es immer noch. Aber vielleicht wird es jetzt ein ganz klein wenig besser. Auch wenn die Hilflosigkeit bleibt.

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