Mittlerweile bin ich mir sicher, dass die Zählung völlig außer Kontrolle geraten ist. So ganz kann ich das auch einfach nicht mehr nachhalten. Fakt ist: Wir haben jetzt bis Ende Juni noch 2 bewilligte Sitzungen. Dann werden noch mal 15 beantragt. Danach ist Schluss. Seit April sind wir im Alle-2-Wochen-Modus. Jetzt werden es durch Termin (ich) erst mal 3 Wochen. Danach der Termin ist erst 4 Wochen später. Und vermutlich wird das dann auch so beibehalten. Therapie. Nur noch alle 4 Wochen.

Mir wird schlecht, als mir das klar wird. Als er von der letzten Verlängerung spricht. Natürlich erst als meine Sitzung quasi schon vorbei ist und wir nicht mehr viel darüber reden werden.

Es macht mir Angst. Zu viel erscheint mir noch ungeklärt und ungeregelt. Zu viele Themen sind angesprochen, offen, aber nicht abgeschlossen. Manches größer (Wohnung, Job), anderes nicht ganz so offensichtlich (Beziehungskram, alte Muster…). Ich bin entsetzt. Auch wenn meinem Verstand klar ist: 15 Sitzungen, ab Juli… im 4 Wochen-Rhythmus… reicht bis September 2016. Das ist noch lange hin. Über ein Jahr. In der Zeit kann viel passieren… solange ist er nicht ganz weg… und trotzdem fühle ich mich … unfertig.

„Was war das denn heute für ein Gespräch? Sie haben so viele Dinge erzählt, die vor einem Jahr gar nicht möglich gewesen wären. So viel ist passiert in den 44 Sitzungen, in diesem einen Jahr.“

Wie immer sieht er mehr. Mehr Positives. Mehr Erfolge. Nüchtern und ohne mein Hirn betrachtet: Er sieht die Realität. Bei mir wird vieles noch schwarz gefärbt. Dunkler als es sein müsste.

Heute morgen starb Ernst. Also mein Rechner. Plötzlich und unerwartet. Es gab keine Anzeichen dafür, sofern man nicht meine Aussage von letzter Woche „Dem gehts gut!“ als solches betrachten könnte, weil es ja meistens so ist, dass etwas kaputt geht, nachdem man damit zufrieden ist und es gerade funktioniert… Gestern funktionierte er. Heute geht er einfach nicht mehr an. Das ist beschissen. Katapultiert es mich doch aus meinen Plänen für die nächsten Tage und aus meinen Gedanken. Es ist ermüdend und zermürbend. Ganz so als wäre es normal, dass nach einer guten Woche in Berlin irgendein Schlag in die Fresse erfolgen muss. Als würde da ein am Sonntag sterbender Kopfhörer nicht ausreichen.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte mich so ein toter Rechner komplett ausgebremst und gelähmt. Heute habe ich noch keine Träne vergossen. Gut, ich bin müde. Es nervt mich. Aber ich habe Lieselotte. Ich bin nicht von der Außenwelt abgeschottet und ich kann abgesehen von WoW spielen auch mit Lieselotte alles tun. Wenn ich hier Platz auf dem Schreibtisch schaffe, könnte ich sie sogar an den großen Monitor anschließen (fällt mir gerade beim Tippen so auf… ) Es verlangsamt mich ein wenig, es nimmt das „ab morgen Alltag“ aus meinem Plan heraus, wirbelt alles ein wenig durcheinander, aber es ist nicht mehr so allumfassend beschissen wie sonst.

Ja, das fällt mir auf. Aber ich bewerte das nicht als so groß wie der weltbeste Therapeut. Während ich überlege, dass es viel einfacher wäre Ersatzteile zu kaufen, wenn ich nicht so viel Geld vermeintlich sinnlos in diversen Berliner Cafés gelassen hätte, sieht er, dass ich nicht zusammenbreche.

Er sieht die Anmeldung zum Seminar (Ende Juni, 100 Leute…) , die Anmeldung zum Trödelmarkt (Anfang Juli, Zusage noch offen) und das damit verbundene „sich trennen können“. Er sieht was alles jetzt so viel mehr und besser geht als früher. („Letztes Jahr konnten sie nur an der Nordsee lernen. Heute reicht auch das Unperfekthaus. Vielleicht ertragen sie bald schon ihr eigenes zu Hause.“) Lauscht meinen Berlin-Erzählungen und wie viel ich trotzdem gemacht habe, obwohl es nicht meine beste Woche war. 

Irgendwo im Hinterkopf sehe ich das auch. Aber bei mir ist es überlagert von den anstehenden Dingen. Rechner reparieren oder beerdigen? Hausverwaltung und ein eventueller Umzug. Dem Wissen, dass ich aktuell trotz allem zu wenig lerne um die Prüfung schaffen zu können (zu der ich bis gerade eben nicht mal angemeldet war, obwohl ich dachte, dass ich es wäre… uff.). Der Gewissheit, dass das Amt bald mit einem Vorschlag auf mich zukommen muss und wird… All das ist so groß und ich frage mich wie um alles in der Welt ich das schaffen soll… ohne Therapie.

Aber irgendwie wird es wohl schon werden.

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