Etwas über 9 Jahre ist es her, dass ich alleine – am anderen Ende Deutschlands – im Gesundheitsamt saß und vor Angst fast gestorben wäre. Per Telefon kam die Diagnose HPV aus der entfernten Heimat. Festgestellt ein paar Wochen vorher bei einem Termin. Ohne jeden Hinweis, einfach nur die Diagnose durch die Sprechstundenhilfe. Durfte sie sicher nicht mal. Hoffe ich zumindest, dass das nicht Standard ist… 

Ein wenig googeln ergab: Aha. Oder so ungefähr. Denn damals, vor über 9 Jahren… da wurde da nicht viel drüber geredet, keiner wusste wirklich was davon und die Impfung war auch noch nicht bekannt. Es wurde nicht drüber geredet, dass bis zu 90% der Frauen den Spaß irgendwann mal haben… die meisten ohne es zu merken. Und irgendwie fühlte ich mich schmutzig… und habe es bis auf ein einziges Mal… hier glaub ich nie wirklich erwähnt… Denn obwohl es bis zu 90% der Frauen trifft… und die Infektion meistens einfach wieder abheilt… dachte ich mir – so wie ich nun mal bin – dass ich selbst Schuld bin. Selbst Schuld mit so einem Wixxer im Bett gewesen zu sein, der irgendwann danach einfach sagte „Hab ich dir doch gesagt, dass meine Ex das hatte.“ Nein. Hatte er nicht. 

Also landete ich auch beim Gesundheitsamt. Wer weiß was er mir noch verschwiegen hat. Es folgte der erste (negative) HIV-Test meines Lebens. Und ich hatte wirklich, wirklich Angst.

Seit über 9 Jahren renne ich jetzt abhängig vom jeweiligen Pap-Ergebnis alle 3 oder alle 6 Monate zum Frauenarzt. Es hat 4 Ärzte gedauert bis ich das Gefühl hatte bei einem zu sein der auch weiß wovon er spricht. Vorher hatte ich selbst bei Ärzten oft das Gefühl, dass sie jetzt nicht so wirklich wissen, was sie mit den Ergebnissen anfangen sollen.

Über 9 Jahre. HPV High Risk Typ 16. Über 9 Jahre „Könnte mal Krebs raus werden.“ Über 9 Jahre schwankende Befunde. Von „geringe Zellveränderungen“ bis „alles okay, aber da war mal was auffällig“. Nicht so geil, aber alles gut. Meistens denke ich nicht dran. Die 2-3 Wochen nach dem Termin hab ich Angst vor dem Telefon.

Und dann klingelte heute in meiner Abwesenheit das Telefon. Sieben Wochen nach dem Termin. Und ich rief zurück, wurde durchgestellt und erfuhr vom Arzt persönlich (nicht von der Sprechstundenhilfe!), dass das Labor im April eigenmächtig einen weiteren Test veranlasst hat. Basierend auf all meinen Laborbefunde der letzten Jahre. Mit ner eher mittelprächtigen Prognose. Sinngemäß „Wenn das nach 9 Jahren immer noch da ist… dann ist es generell eher feindliches Gebiet… und dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das ganze unhübsch (also Krebs) wird durchaus groß…“ Und das… obwohl der letzte Abstrich eigentlich mehr so ein „alles okay, aber war mal auffällig“ war.

Natürlich ist das jetzt kein Krebs-Drama. Keine Diagnose. Aber diese Angst, die da seit 9 Jahren mitschwingt, dass es irgendwann mal böse werden könnte… die hat jetzt Futter bekommen und lässt sich gerade nur sehr schwer verdrängen. Es folgt dann jetzt ein weiterer Termin in einer Dysplasie-Sprechstunde. Mehr Tests. Vielleicht Gewebeentnahme. Alles was man halt so braucht.

Und plötzlich schreibt man halt keinen „Der Tag war übrigens ganz gut… ich war heute 20 Bahnen schwimmen“ – Artikel. Sondern einen über die Angst. Ein Artikel darüber, dass es immer irgendwas neues gibt, wenn man es gerade gar nicht gebrauchen kann… 

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