„Hey Oma… hast du kurz Zeit? Ich muss mich da mal eben aufregen… also heute morgen da beim Termin beim Amt….“ Und dann würde ich erzählen. Und sie würde zuhören. Und sie würde einfach in allem zustimmen, weil Omas das eben so tun. Und vielleicht würde sie auch sagen „Komm vorbei, ich mach Pfannkuchen.“ , oder „Ich hab Kuchen gemacht. Wir gehen gleich in den Garten. Willst du auch?“ Und dann wäre alles ein ganz klein wenig in Ordnung. 

Doch ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es wirklich so laufen würde, denn ich erinnere mich nicht mehr dran. Ich weiß es nicht mehr wie es zwischen uns war. Ich weiß nicht mehr, ob ich mich wirklich bei dir ausgeheult habe und du dann genickt hast. Ich weiß nicht mehr was du zur Uni gesagt hast. Abgesehen davon, dass Opa nicht erfahren sollte, dass es nicht läuft, weil er ja dann enttäuscht gewesen wäre. Deiner Meinung nach. Doch ich glaube er wäre nicht enttäuscht gewesen. Hätte von mir gar nicht enttäuscht sein können, weil er eben Opa war. Aber auch da bin ich mir nicht mehr sicher. 

Er ist so lange tot und war davor schon so lange nicht mehr er. Und du bist auch schon viel zu lange nicht mehr du. Ich erinnere mich also nicht mehr daran. An fast gar nichts mehr. Nur an Pfannkuchen. Und Kuchen. An Toffel-Soße. Daran wie Schnurre euren Garten annektiert hat und irgendwann bei euch einzog. Ich erinnere mich daran wie du all meine Hosen geflickt hast und wie ich so oft vor dem Bilderrahmen stand mit den ganzen Bildern von uns. Dem Rahmen den ich jetzt nicht habe, weil ich überhaupt nur genau 2 Bilder habe. Ich erinnere mich an dieses Weihnachten als er schon längst nicht mehr er war und diesen einen klaren Moment, wo er mich gefragt hat, ob alles gut ist und ich wusste, dass er mir nicht glaubt. Aber daran glaubt, dass es gut werden wird. Ich erinnere mich an diesen Moment in dem Zimmer. Als es hieß, dass er sterben wird und dann doch noch 5 Monate lebte und ich würde dieses Bild so gerne vergessen. Ich hätte so gerne einfach wieder die anderen Bilder. Würde mich so gerne an Opa im Garten erinnern. Opa auf dem Rad. Opa egal wo. Nur nicht in diesem Zimmer. Längst nicht mehr er selbst. Lieber den Opa vor mir sehen der mit mir 24 fucking 4blättrige Kleeblätter in Cuxhaven gefunden hat, von denen kein einziges mehr da ist obwohl sie eingeschweißt wurden und keines genug Glück gebracht hat um uns allen das zu ersparen. Doch die Erinnerungen verschwimmen und die einzige, die wirklich klar ist, ist er, abgemagert in diesem Zimmer. Diese leere Hülle, in der er längst nicht mehr anwesend war.

Ich hätte dich so viel lieber in Erinnerung, wie du heimlich versuchst mir Geld zuzustecken, obwohl alle immer wussten, dass du heimlich Geld zusteckst und du es eigentlich auch nie geschafft hast es unauffällig zu tun. Ich will dich in deinen Kitteln sehen und nicht an die Frau denken, die soviel Shampoo gekauft hat, dass ich ein Jahr keins mehr kaufen musste, weil sie vergessen hat, dass sie bereits welches besitzt. Ich möchte mein Klingelschild wieder an eurer Tür haben. Ich möchte wieder Flocke genannt werden. Und vor allem möchte ich daran glauben, dass ich dich jetzt in diesem Moment anrufen könnte. Und du einfach sagen würdest „Komm her, ich mach Pfannkuchen.“ Allein schon, weil das bedeuten würde, dass du noch da bist. 

Ich vermisse euch so sehr.

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