„Ich vermisse dich. Und es nervt mich maßlos.“ Tippe ich. Schaue es kurz an. Und löschen den Text wieder. Lieber drüber bloggen. Lieber nicht abschicken. Um dir meine Nummer wieder zu geben, die du – wenn ich es richtig mitbekommen habe – nicht mehr haben dürftest. Weil es einfach nichts ändern würde.

Nur dass du dann wüsstest, dass ich dich vermisse. Vorzugsweise an so schwachen Abenden wie heute. Wenn ich am nächsten Tag auf eine Party muss auf die ich zum Verrecken nicht will und auf die ich dich so viele Male mitschleppen wollte. Als Alibi-irgendwie-ja-doch-Freund. Einfach um nicht alleine zu sein. Und weil ich mich trotzdem an dir hätte anlehnen können, als wärst du nicht nur ein Alibi. Du wüsstest es dann. Vielleicht würdest du sogar auch antworten. Und dann? Dann finge alles wieder von vorne an.

Denn nichts hat sich geändert. Nichts wird sich je genug ändern können. Wir sind so. Wir werden immer aneinander vorbei reden, wir werden immer kollidieren und deine Macken werden mich in den Wahnsinn treiben, während meine dasselbe mit dir tun. Oder du sie einfach ignorierst und dann phasenweise auch mich ignorierst, während ich mich von dir zurückgesetzt fühle während du mich ignorierst.
Eine Sache hast du immer richtig gemacht. Du hattest mich nie an oberster Stelle auf der Prioritätenliste. Und vermutlich, vermutlich ist es für dich deswegen einfacher. Die Lücke die ich bei dir hinterlassen habe, wird nicht mal im Ansatz so groß sein wie die Lücke die du in mir hinterlassen hast. 

„Wird diese Lücke sich irgendwann füllen?“ fragte ich mich kurz nachdem es so weit war. Und vielleicht auch meinen Therapeuten. Ich weiß es nicht mehr. Aber ich bilde mir gerne ein, dass ich ihn das gefragt habe und er sagte: „Nein.“ Das wäre nämlich die Antwort die er definitiv geben würde. „Das Leben ist scheiße. Gewöhnen sie sich dran.“ Aber er sprach definitiv von Umlaufbahnen und davon, dass ich mich zu lange um dich gedreht habe. Oder vielleicht hab ich das sogar selbst gesagt und er nur wissend genickt. Wer weiß das schon. Immerhin ist es eine Weile her. 5 Monate um genau zu sein. Fast schon 6 Monate. Bald ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr nicht reden. Nachdem du mehr als ein Jahrzehnt ein Teil von mir warst. Und ich schreibe lieber „mehr als ein Jahrzehnt“ als die konkrete Anzahl der Jahre, weil die mir so viel größer erscheint und nur noch mehr weh tut. In der Woche in der ich 13 Jahre alt wurde, war ich exakt 8 Tage 1/3 so alt wie meine Mama. Und ich weiß noch, dass wir das damals witzig fanden. Ich 12. Sie 36. 12 Jahre. 1/3 ihres Lebens. Jetzt werde ich bald 31. Da sind 12 Jahre kein Drittel. Aber doch eine ganze Menge.. und mir ist es immer noch lieber „mehr als ein Jahrzehnt“ zu schreiben… 

„Wird diese Lücke sich irgendwann füllen?“, frage ich mich. Heute. Am Partyvorabend, der Party auf die ich wieder alleine gehen muss, weil da einfach niemand an meiner Seite ist, was vermutlich auch noch ne Weile so bleiben wird, weil ich einfach nicht mehr dran glaube, dass es sich je ändern wird. Resigniert. Nach nur 2,5 Jahren. Ja, verdammt. Aber vielleicht auch nur Abends. Vorzugsweise an Sonntagen. Oder eben jetzt. Du bist nicht mehr. Die Lücke ist riesig und ich würde sie so gerne einfach wieder füllen.

Doch wäre sie weg, wenn ich dir geschrieben und du vllt. sogar geantwortet hättest? War das was du ausgefüllt hast nicht einfach auch die Hoffnung, dass das mit uns was wird. Der Gedanke daran, dass du als roter Faden, konstant in meinem Leben bist während alle anderen kamen und gingen. Die Erinnerungen die sich über all die Jahre angesammelt haben. Aber nun bist du auch gegangen. Vielleicht gegangen worden, weil ich irgendwann einfach nicht mehr geantwortet habe, weil ich nicht wusste wie ich da sonst rauskommen soll. Jedenfalls warst du jetzt eine Weile nicht mehr da. Also nicht konstant vorhanden und die Hoffnung, die Hoffnung ist auch nicht mehr da. Und damit ist klar das egal was jetzt von dir wieder käme, auf keinen Fall mehr groß genug für dieses Loch da in meinem Herzen ist.

Diese Lücke ist riesig. Und sie bleibt. Weil es nicht wiederholbar ist. Völlig egal ob ich dir irgendwann schreibe. Oder nicht. Völlig egal, ob ich dir irgendwann den Schneeflocken-Obsidian gebe, den ich vor fast einem Jahr gekauft habe.

Und während ich noch mal drüber nachdenke dir vllt. doch zu schreiben, singen Kettcar in meinem Kopf „1/3 Heizöl, 2/3 Benzin… “ und dann.. hab ich vllt. doch einfach zu viel Angst vor der Explosion, die zu nichts führen würde, weil wir uns nie so werden ändern können, dass es ohne Tränen irgendwie funktioniert.

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