Ich habe Angst. Den Hals zusammenschnürende Angst. Angst davor, dass ich heute Nacht Alpträume bekommen werde oder vielleicht gar nicht erst einschlafe. Angst davor, dass ich morgen nichts hin bekomme, obwohl es einigermaßen wichtige Dinge zu tun gibt. Angst davor, dass ich es nicht schaffen werde, weil mich die Angst jetzt so lähmt, dass ich seit 1 Stunde heulend auf den Monitor starre und nur ab und an mal was schreibe. 

Ich habe Angst zu viel von mir preisgegeben zu haben.

Angst davor falsch zu reagieren. Angst davor ungerecht zu werden, weil ich jetzt Angst habe und nicht getröstet wird. Angst davor mir nur einzubilden, dass ich nicht alleine bin, weil es sich jetzt gerade in diesem Moment so verdammt alleine anfühlt. Angst zu viel zu erwarten. Angst davor zu enttäuschen. Angst davor dich zu verlieren und jemand anderen nicht loszuwerden.

Ich habe mehr Angst als im Moment an Bahnhöfen. Obwohl doch jetzt alles so böse und gefährlich ist und man an Bahnhöfen Angst haben muss. Ich habe Angst davor morgen vor die Tür zu gehen.

Angst davor „gefunden“ zu werden. Angst vor Menschen die lange nicht mehr da waren, an die ich in so Situationen aber direkt denken muss. An Briefe, Anzeigen und Verfahrenseinstellung. An immer wiederkehrende Motorengeräusche, Überwachung, Anrufe, Beschimpfungen. Ich habe jetzt so eine verdammt (übertriebene) miese Angst, weil du mich vor über 12 Jahren nicht hast gehen lassen. Und weil du² dir vor 8 Jahren mehr eingebildet hast als je gewesen ist. Ich habe Angst vor dem Teil in mir der solche Situationen provoziert. Provozieren muss, weil es ja irgendeinen Grund geben muss, dass es immer und immer wieder passiert.

Ich habe Angst, dass es auch die nächsten 8 oder 12 Jahre nie möglich sein wird, einfach ruhig und gelassen auf so Situationen zu reagieren. Angst davor, dass ich mich auch in 8 oder 12 Jahren noch in so Situationen alleine fühlen werde, weil keiner da ist der sagt „Wird alles gut. Ich bin da.“.

Ich habe Angst vor meinen Erinnerungen. Erinnerungen, die in so Momenten aus meinem Kopf sprudeln wie überlaufendes Brausepulver. Nur weniger lecker und schön. Erinnerungen die alles triggern und umfassen was irgendwie Angst machen kann. Konnte. Gemacht hat. Machen wird. Jetzt. Heute Nacht. Morgen.

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