„Es geht wieder.“ leite ich das Gespräch ein. „Es könnte sicher besser sein, aber es geht so weit wieder.“ Ich spiele damit auf die letzte Sitzung an. Eine Sitzung in der plötzlich nicht mehr die Rede war von „Wir können die restlichen Sitzungen eventuell verfallen lassen.“ sondern Aussagen wie „Es gibt Menschen, die hätten sich in ihrer momentanen Verfassung längst einweisen lassen.“ Im Dezember sprach er von Klinik und Medikamenten. Nicht mehr davon, dass ich mich langsam lösen müsste.

„Es geht wieder. Weihnachten war großartig.“ Ich rede über Weihnachten und Silvester und gerate ins Schwärmen. Ich kann das gerne noch 2-100x wiederholen: Ich habe die Tage verdammt gerne alleine verbracht. Ehrlich.

Ich rede davon wie gut die Zeit alleine tat und dass ich mich aufgeräumter und sortierter fühle. Spreche von Plänen und Listen. „Ich dachte ja, wenn ich so viel Zeit alleine verbringe, werde ich fast nur schlafen und zocken. Aber ich hatte gar keine Lust auf Realitätsflucht.“ Er lacht. Tatsächlich habe ich sehr wenig gezockt. Obwohl ich es ohne schlechtes Gewissen hätte tun können… Ich habe geplant und Listen geschrieben. Und weiter geplant und fühle mich aufgeräumt wie lange nicht mehr. Auch die Wohnung wird langsam wieder. Langsam. Aber von alleine. Es reguliert sich einfach, wenn man mir die Zeit lässt. 🙂

Wir reden lange über ein nicht verblogbares Thema. Ich fluche und kichere und bin am Ende genauso ratlos wie vorher. „Ist ein schmaler Grad…“, sagt er. „Oh ja….“

„Achtung, rasanter Themenwechsel: Ich habe überlegt, dass ich eine Liste machen könnte. Was ich so bei einem Umzug alles beachten müsste.“ Er guckt mich etwas verständnislos an. „Umziehen ist doch einfach?“ – „Ja, klar. Wohnung suchen. Wohnung kündigen. Umziehen.“ Wir lachen. „Aber ich muss erst mal wissen wie ich das machen muss. Beim Amt fragen in welcher Reihenfolge ich was tun muss. Mich rechtlich absichern in welchem Zustand ich diese Wohnung verlassen kann/darf. Kaution zurück bekommen wäre toll.“ Wirklich viel sagt er dazu nicht. Versteht aber den Sinn und Zweck meiner Liste. Dann erzählt er von einer Klientin, die vom Amt diverse Zuschüsse bekommen hat… dabei aber ein wenig das Maß verlor. „Auf die Idee käme ich nicht mal. Ich rechne nicht damit, dass sie mir irgendwas zahlen… Kaution wäre natürlich schön…“

„Wie sieht es mit ihrem Berentungsplan aus?“, fragt er. „Ja, der ist immer noch relevant.“ – „Aber weitergeführt haben sie ihn bisher nicht?“ – „Nein, aber ich weiß wo ich anrufen muss.“ Tatsächlich steht es auf der Januar Liste. Termin beim Integrationsfachdienst machen. Wir reden übers Aufgeben. Und Entscheiden. Darüber, dass sich das gerade nicht anfühlt wie versagen, sondern eher wie „Last von mir nehmen“. „Zur Ruhe kommen.“ Er spricht von Grundbedürfnissen „Beziehung“ und „Arbeit“. „Arbeit“ im Sinne irgendeiner erfüllenden (möglicherweise kreativen) Tätigkeit. Nicht unbedingt im Sinne von „auf dem normalen Arbeitsmarkt arbeiten“. „Wenn ich nicht mehr dieser Anspannung unterliege…“, sage ich… „… finden sie vielleicht auch eine erfüllende Tätigkeit.“, vollendet er meinen Satz. „Genau.“

„Frau Svü sagen sie mir einen Monat. Ich bin Anfang Februar im Urlaub. Ende Januar, oder nach dem Urlaub… das wäre dann recht lange?“ – „Direkt nach dem Urlaub?“

Neuer Termin also am 23. Februar. Das sind 7 Wochen. Voll okay.

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