Mein Schlafrhythmus ist verdreht. Und das erste Mal im Leben fühlt es sich nicht gut an. Weil sich gar nichts gut anfühlt. Es ist bald 17 Uhr. Ich bin noch keine 3 Stunden wach und alles was ich fühle ist „Zu spät … zu spät… zu wenig Zeit … zu wenig Zeit…“

Es ist schon Dienstag. Von meinem geplanten „Urlaub“ oder „Menschen fasten“ ist „nur“ noch eine Woche übrig und ich fühle mich so gehetzt. Von allem. Von jedem. Vom Leben. Einfach nur gehetzt. 

Seit Wochen ziehe ich mich zurück… und bin einfach nur genervt. Angeschlagen und genervt. Egal wer was wie sagt. Es bedrängt mich. Verunsichert mich. Nichts macht wirklich Spaß. Zumindest stimmt das Verhältnis nicht. Möglicherweise macht es Spaß, aber es rechtfertigt nicht die Energie, die ich aufwenden muss um es zu erleben.

Überhaupt ist da das Problem. Energie. Ich fühle mich so ausgezehrt und ausgesaugt. Nicht wirklich depressiv, aber einfach überanstrengt. Wobei ich schon länger den Verdacht habe, dass sich meine Depression einfach gewandelt hat … und das jetzt die neue Version ist. Einfach alles zu viel finden. Leerer als früher. Abgestumpfter. 

Ich werde umziehen müssen. Da führt kein Weg mehr dran vorbei und in meinem Kopf rotiert es. Und es macht mir Angst. Es ist zu groß für mich. Und dann sind da diese Freunde, die ihre Hilfe versprechen, aber es ist einfach so anstrengend. So anstrengend drüber zu reden. So anstrengend dran zu denken. Ich mag nicht dran denken. Ich mag eigentlich an gar nichts denken.

Ich würde gerne einfach nur sein. Und funktionieren. Ohne Pläne machen zu müssen. Ohne mit irgendwas jonglieren zu müssen. In meinen Kalender schauen ohne dass mir schlecht wird. Weil da Dinge drin stehen mit denen ich mich nicht beschäftigen möchte. 

Wenn ich mich 2 Wochen nicht mit Terminen auseinander setzen muss – so dachte ich – würde ich ruhiger werden. Wieder zu mir finden. Aber es wird einfach nur konfuser und anstrengender. Ich vergesse zunehmend Termine. Ich vergesse und verdränge Ausgaben. Und plötzlich ist der 11. und ich bin so pleite wie nie zu vor. Habe nichts mehr auf dem Sparkonto. Nicht mal mehr auf dem Paypal-Konto. Ich bin so pleite, dass ich von nun an wirklich beim Einkauf mit dem Taschenrechner rumlaufen sollte. Und beten sollte, dass die Physio damit einverstanden ist erst im Mai abzurechnen. Und ich kann dafür nicht mal ne unvorhergesehene Ausgabe verantwortlich machen. Die gab es nicht. Ich hab es einfach nur verpeilt.

Und dann sind da diese Ausgaben die mit dem Umzug kommen werden. Und für die es keine Rücklagen gibt. Irgendwann in den letzten Monaten ist da was schief gegangen. Und ich weiß noch nicht so ganz genau wann und warum. Und wie.

 

Mein sicherer Hafen ist plötzlich nicht mehr stabil und fest. Er schwankt. Ich kann mich nicht mehr unerschütterlich drauf verlassen. Ich muss überlegen was ich wo sage. Wie ich wo bin. Und ich kann mich nicht drüber freuen, dass ich nicht den einfachen Weg gegangen bin. Weil ich es auch gar nicht gekonnt hätte.

Ich fühle mich allein. Teilweise, weil ich es bin. Weil da was kaputt gegangen ist. Teilweise, weil ich nicht reden mag. Weil ich es so anstrengend finde mit irgendwem über meine Befindlichkeiten zu reden. Weil ich genervt bin, wenn jemand fragt wie es mir geht. Weil ich das Gefühl habe jeden einzelnen meiner Sätze mehrfach erklären zu müssen. Weil ich glaube einfach nicht so sein zu können wie ich bin. Und weil ich nichts gutes erzählen kann. Ich mag nicht nur jammern, aber mir fällt so wenig anderes ein. Mir fällt nichts ein was einfach nur gut ist. Es ist nichts einfach nur gut. Alles ist anstrengend. Oder schmerzhaft. 

Ich kann nicht einfach gut schlafen, weil mein Kassettendeck nicht mehr funktioniert wie früher. Ich mag meine Wohnung nicht mehr, weil ich überall nach Schimmel Ausschau halte. Ich kann keinen Sport machen, weil mein Knie auch nach – ich weiß nicht wie vielen Wochen – nicht wirklich besser wird. Ich kann mich auf so vieles nicht freuen, weil es mit Geld verbunden ist oder mit Menschen die ich nicht sehen möchte.

Nichts läuft. Aber ich hab auch keine Kraft, Lust und Energie mit irgendwem darüber zu reden.

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